ANHANG (Zusammenfassender Vergleich der Wirtschaftssysteme)

Im Folgenden werden die wesentlichen Unterschiede zwischen Marktwirtschaft, Zentralverwaltungswirtschaft der SU und BVW prägnant zusammengefasst.

Marktwirtschaft

Produktionsmittel und Grund/Boden sind großteils Privateigentum.
Privateigentümer verkaufen ihre Waren auf dem Markt. Bei dieser Transaktion gilt es, einen Gewinn zu realisieren.
Beim Verkauf kommt es auf den Tauschwert an. Jede Ware hat einen Preis, der eine Geldgröße ist.

Arbeitnehmer verkaufen ihre Arbeitskraft an den Unternehmer – sie erhalten für ihre Arbeit Lohn. Dieser und der Arbeitsplatz selbst sind von der Kalkulation des Unternehmers abhängig. Löhne sind einerseits Lebensunterhalt für die Arbeitenden und andrerseits Kosten für den Unternehmer und deshalb gering zu halten. Auch die Arbeitsbedingungen sind der Kostenrechnung unterworfen.

Die Produktion und Erstellung der Leistungen vollziehen sich in Konkurrenz der Privateigentümer untereinander. Auf den gesellschaftlichen Bedarf wird dabei keine Rücksicht genommen – Krise und Boom wechseln einander ab.
Die politische Klammer dieser Ökonomie ist der bürgerliche Staat. Die Interessensgegensätze werden mit der Herrschaft (Gewalt) der Demokratie funktional für den Staatszweck erhalten. Die Bürger dürfen regelmäßig die Regenten wählen.
Die Politik des bürgerlichen Staates zielt auf die bestmögliche Stärkung seiner Souveränität. Dazu bedarf es einer profitablen Wirtschaft und einer wirkungsvollen Staatsgewalt.

Zentralverwaltungswirtschaft der SU

Produktionsmittel und Grund/Boden waren Staatseigentum.
Güter wurden an staatliche Betriebe oder Konsumenten verkauft. Die Betriebe waren darauf verwiesen, Gewinne zu machen.
Der Verkauf sollte mit dem „richtigen“ Tauschwert bezüglich des gewünschten Gebrauchswertes vonstatten gehen. Preise wurden festgesetzt, um auf dieser Basis die geplanten Gebrauchsgüter zu erstellen.
Den Arbeitskräften wurden Arbeitsplätze durch die staatli-chen Behörden bereitgestellt bzw. zugewiesen. Das Recht auf Arbeit sicherte den Arbeitsplatz. Die Lohnhöhe wurde von der Behörde und die Prämie vom Betrieb bestimmt. Löhne waren Kosten für die Betriebe (und für den Staat). Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durften den Gewinn und die Produktivität nicht schmälern.

Die Produktion und Erstellung der Leistungen wurde geplant und gemäß vorgegebener Kennziffern vollzogen. Letztere bestanden aus Mengen- und Geldgrößen. Dadurch ergaben sich Probleme bei der Gebrauchswertproduktion.
Als politischer Hoheitsträger galt der „volksdemokratische“ Staat, dessen Interessen mit Herrschaft (Gewalt) gegenüber dem Volk durchgesetzt wurden. Vertreten wurde das Volk durch die kommunistische Partei, die aus ihren Reihen die Regenten wählte.
Die Politik des sowjetischen Staates zielte auf die bestmögliche Stärkung seiner Souveränität. Dazu bedurfte es einer staatsdienlichen Wirtschaft und einer wirkungsvollen Staatsgewalt.

BVW

Produktionsmittel und Grund/Boden sind vergesellschaftet.
Produkte (und Leistungen) werden nach Bedarf zugeteilt. Betriebe liefern an andere Betriebe ohne Geldverrechnung.

Bei der Zuteilung kommt es auf den Gebrauchswert an. Menge und Qualität sind bestimmende Größen. Preise und Geld erübrigen sich.

Die Arbeitenden stellen ihre Arbeitskraft in geplantem Einsatz der gesellschaftlichen Produktion zur Verfügung und haben gemäß ihrer Arbeitsstunden Anspruch auf die jeweilige Zuteilung. Die Erfüllung ihrer Ansprüche ist abhängig von ihrer Leistung und der gesamtgesellschaftlichen Erarbeitung von Produkten und Leistungen. Physische und psychische Belastungen der Arbeitenden werden unter allen Umständen gering gehalten.
Die Produktion und Erstellung von Leistungen wird geplant gemäß gesellschaftlichem Bedarf vollzogen. Geplant wird in technischen Größen (und nicht in Geldgrößen). Nur mangelnde Mitarbeit könnte eine gute Versorgung gefährden.
Die Entscheidungen bezüglich der Versorgung obliegen Komitees und Ausschüssen. Die Mitglieder dieser Gremien werden von anderen Gremien gemäß Eignung gewählt. Herrschaftsausübung ist aufgrund der gemeinsamen Interessen nicht notwendig.
Die Politik der BVW zielt auf das Erreichen der bestmöglichen Versorgung für die BVW-Mitglieder. Dazu bedarf es der Einhaltung der Prinzipien der BVW, die von den Mitgliedern ohne Zwang mitgetragen und umgesetzt werden.


1 Antwort auf “ANHANG (Zusammenfassender Vergleich der Wirtschaftssysteme)”


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