SCHLUSSBEMERKUNG

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und damit des „Realen Sozialismus“ scheint es als einzige Alternative zur Marktwirtschaft nur mehr die Marktwirtschaft zu geben. Selbst Kritiker dieser Wirtschaft können sich eine radikale Alternative nicht mehr vorstellen, sondern versuchen nachzuweisen, dass eine sozialere bzw. menschenfreundlichere Marktwirtschaft möglich ist. Dabei gehen sie nach wie vor von einem Markt, von Preisen und von Lohnarbeit aus. Allenfalls machen sie den Staat darauf aufmerksam, seine Wirtschaft sozial verträglicher zu gestalten. Auch Globalisierungskritiker warnen vor den schädlichen Wirkungen eines weltweiten „Raubtierkapitalismus“ und schlagen Maßnahmen vor, diesen einzudämmen.
Doch auch eine Marktwirtschaft ohne „Auswüchse“, die übrigens notwendig zu dieser dazugehören, ist keine erstrebenswerte Perspektive. Solange der Markt, der Tauschwert, die Lohnarbeit, das Geld die Grundprinzipien einer Wirtschaft sind, solange wird es auch Armut, Existenzgefährdung, vernichtende Konkurrenz, Umweltzerstörung etc. geben. Kosmetische Änderungen lässt die Marktwirtschaft durchaus zu, wenn damit Wirtschaftswachstum und Staatsbudget nicht allzu sehr strapaziert werden. Vorgegebene Sachzwänge stecken jedoch diesen Veränderungen Grenzen – diese können nur aufgehoben werden, wenn die „Sache“ grundlegend anders organisiert wird.
Das Modell der BVW würde nicht alle gesellschaftlichen Probleme beseitigen, bestimmt aber den Großteil der wirtschaftlich induzierten – und das sind nicht wenige. Die BVW ist zweifellos eine radikal andere Wirtschaft – und ist, wie argumentiert wurde, durchaus machbar. Es wäre zu leichtfertig, diese Alternative als Utopie zu bezeichnen. Die diesbezüglich häufig vorgebrachten Argumente, so eine Wirtschaft ließe sich aufgrund wirtschaftlicher Sachnotwendigkeiten und den Unzulänglichkeiten der menschlichen Natur nicht realisieren wurden eingehend behandelt und stellten sich als nicht stichhaltig heraus.
Letztlich kann eine BVW nur an dem gesellschaftlichen Konsens, diese Organisation der Versorgung zu wollen, scheitern.
Es wurde aufgezeigt, dass eine Alternative wie die Sowjetunion nichts mit einer BVW zu tun hat. Obwohl der Ausgangspunkt dieser Alternaive auch eine Kritik an Markt, Tauschwert und Lohnarbeit war, wurden wesentliche Elemente der Marktwirtschaft beibehalten und das Ziel, eine von Gewalt und ökonomischen Zwängen befreite Gesellschaft aus den Augen verloren, bzw. ad acta gelegt.
Dies kann aber nicht dem Modell der BVW angelastet werden, das (unbelastet) Eingang in die gesellschaftskritische Diskussion finden sollte.


1 Antwort auf “SCHLUSSBEMERKUNG”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:25 Uhr
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