3.2.2 „Geplante Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ (ab 1984)

Die weiteren Reformschritte betrafen vor allem die Industrie:
- größere Eigenverantwortung der Betriebe ( Gewinnverantwortlichkeit, Rentabilitätsberechnungen),
- „Anwendung des Wertgesetzes“, was bedeutete, Preisfestsetzungen zu lockern und eine Preispolitik der Betriebe zuzulassen,
- Kreditfinanzierung durch Einrichtung von Banken,
- weitere Zurücknahme der staatlichen Planauflagen,
- Wirtschaftsfachleute und nicht Parteikader sollten nun die Betriebe führen, also eine beginnende Aufgabenteilung von Politik (Staat) und Wirtschaft,
- Leistungsentlohnung,
- verstärkter Außenhandel und Technologieimport – all das noch gezügelt durch staatliche Kontrolle.
„Den Tiger (Kapitalismus) reiten“ wurde als Parole ausgegeben, wie auch „Bereichert euch“, was zunehmend Gefallen, vor allem der Funktionäre der KPCh und der Armee, fand, die vorerst als Privatnutzer, später als Privateigentümer eigene Betriebe führten.
All dies wurde von den chinesischen Ideologen als „geplante Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ bezeichnet.
Es ist schon seltsam, Marktwirtschaft und Kapitalismus als zwei verschiedene Methoden zu beurteilen, nämlich einerseits Marktwirtschaft zu befürworten, andererseits Kapitalismus abzulehnen. Kapitalismus steht wohl für das damals noch bedenkliche Privatkapital – die Gewinne großer Betriebe wurden noch nicht privatisiert und Betriebskapital bzw. Grund und Boden konnten (noch) nicht (privat) verkauft und gekauft werden. Noch seltsamer mutet der Begriff „geplante Marktwirtschaft“ an, der ein Widerspruch in sich ist. Bezeichnet wurde damit eine Ökonomie, welche dem Markt mit freier Preisgestaltung und Gewinnkalkulation einen größeren Raum einräumte, der Staat sich jedoch (noch) Eingriffe in Form von Preisregulierungen und Planungsrichtlinien vorbehielt.


1 Antwort auf “3.2.2 „Geplante Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ (ab 1984)”


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