2.2.8 Resümee

Was wollte die Sowjetunion mit ihrer realsozialistischen Ökonomie erreichen?
Nimmt man die Absichtserklärungen des Parteiprogramms von 1961 ernst, so wird an dem Ziel, den Kommunismus – eine geplante Versorgungswirtschaft – zu erreichen, festgehalten. Es zeigte sich allerdings, dass dieses Ziel den Charakter einer Utopie, die immer weiter in die Ferne rückte, annahm und mit der praktischen Politik nichts mehr zu tun hatte. Die politische und ökonomische Praxis setzte es sich zum Ziel, die Erfolge der Marktwirtschaft (einiger Länder der Ersten Welt, speziell der USA) mit einer alternativen Ökonomie überbieten zu können – sowohl was die Reichtumsproduktion als auch was die staatliche Macht betraf. Durch das „Ausnützen“ der ökonomischen Gesetze der „Ware-Geld-Beziehung“ wollte man besser wirtschaften als der Westen. Damit sollte eine staatliche Reichtumsvermehrung unter Vermeidung der negativen Seiten der Marktwirtschaft erreicht werden.

War die Ökonomie des Realen Sozialismus eine alternative Ökonomie?
Zweifellos war diese eine Alternative zur Marktwirtschaft. Trotz Warenproduktion, Preisen, Geld, Löhnen und einem Staatsbudget funktionierte die „Zentralverwaltungswirtschaft“ nicht auf Basis einer Wertproduktion von Privateigentümern für einen Markt, auf dem um die zahlungsfähige Nachfrage konkurriert wird. Privateigentum an den Produktionsmitteln und damit die Konkurrenz und der freie Markt wurden großteils abgeschafft und durch eine staatlich geplante Warenwirtschaft ersetzt. Mit festgelegten Preisen und Planzahlen sollte die Ökonomie so dirigiert werden, dass sowohl rentabel gewirtschaftet als auch die zahlungsfähige Nachfrage garantiert würde. Mit dem Recht auf Arbeit wurde jedem ein Einkommen verschafft.
Die Zentralverwaltungsökonomie wirtschaftete nicht wie eine weltwirtschaftlich konkurrenzfähige Marktwirtschaft aber auch nicht wie eine vernünftig geplante Versorgungswirtschaft (siehe dazu auch die Übersicht weiter unten).

Woran scheiterte der Reale Sozialismus?
Durch dessen Wirtschaft wurde der Reale Sozialismus bestimmt nicht zu Grabe getragen. Entgegen den Unkenrufen westlicher Ökonomen funktionierte diese mit allen ihren Widersprüchen und damit auftretenden Problemen – schließlich gelang der SU mit dieser Ökonomie der Aufstieg zu einer Weltmacht.
Gescheitert sah sich der Reale Sozialismus an seinem politischen Ziel, den Ländern der Ersten Welt, vor allem den USA, als wirtschaftliche und politische Weltmacht, gemessen an Militär, „befreundeten“ Staaten und Devisenreserven zumindest ebenbürtig zu sein, bzw. diese zu „überholen“. Dies führte zum Beschluss, das alte System aufzugeben und es mit der „erfolgreicheren“ Marktwirtschaft zu versuchen.
Wer in der Aufgabe dieses Systems einen Beleg gefunden hat, die Marktwirtschaft hochzuhalten, der garniert seine Parteinahme mit einem gängigen Argument: Was sich (historisch) durchsetzt, hat recht. In dieser Hinsicht ist er sich jedenfalls mit den Anhängern des Historischen Materialismus einig. Die Mächtigen halten sich vielmehr an die Devise: Wer die Macht hat, hat recht.

Beweist die Ökonomie des Realen Sozialismus die Unzulänglichkeit der BVW?
Anhand der vorangegangenen Ausführungen sollte nachvollziehbar sein, dass die Ökonomie des Realen Sozialismus keine BVW war. Auch wenn, was die Ideologie betrifft, etwas Ähnliches angestrebt wurde, so hatte der Reale Sozialismus nicht nur wenig mit der BVW gemein, sondern sollte auch nicht mit einer Übergangsphase zur BVW verwechselt werden (siehe Kapitel „Der Übergang“: Schon in der Übergangsphase zur BVW werden Preis-Kosten-Gewinn-Kalkulationen der Unternehmen sofort sistiert, der Tauschwertgesichtspunkt damit außer Kraft gesetzt und eine Gebrauchswertplanung eingerichtet.)
Dieses Wirtschaftssystem ist kein Beweis dafür, dass eine Planwirtschaft zum Scheitern verurteilt ist. Vielmehr kann daran studiert werden, was passiert, wenn die Planung von Gebrauchswerten dem Tauschwertstandpunkt unterworfen wird.


1 Antwort auf “2.2.8 Resümee”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:25 Uhr
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