2.1.5 Der Abbruch

Obwohl 1920 der Krieg gegen die Weiße Armee siegreich beendet wurde, kam das Land nicht zur Ruhe. Die Bauern wehrten sich (mit blutigen Bauernaufständen) gegen die Konfiskationen der spärlichen Restbestände von Nahrungsmitteln. Die Missernte von 1920 verschärfte die Lebensmittelversorgung, die wenigen Vorräte waren im Winter rasch aufgebraucht. Der Hunger in den Städten nahm zu und führte zu Hungeraufständen. Die erhofften Revolutionen in anderen Ländern – und somit die erwartete Hilfe dieser Länder – waren ausgeblieben.
Als sich schließlich auch bei der Machtbasis des Staates, der Roten Armee, Unmut rührte (Kronstädter Matrosenaufstand 2. – 13. März 1921) war es höchste Zeit, Maßnahmen zu setzen, um einen weiteren Bürgerkrieg zu verhindern. Auf dem 10. Parteitag der kommunistischen Partei verkündete Lenin Mitte März 1921 eine Änderung der Wirtschaftspolitik: „Grundsätzlich ergibt sich folgende Lage: Entweder wir müssen das mittlere Bauerntum wirtschaftlich zufrieden stellen und uns zur Freiheit des Umsatzes verstehen, oder es ist bei dem langsamen Tempo der internationalen Revolution unmöglich, in Russland die Macht des Proletariats aufrecht zu erhalten.“ (18)
Die dabei verkündete „Neue ökonomische Politik“ (russische Abkürzung: NEP) wurde sofort in Angriff genommen. Die zwei wichtigsten Komponenten dieser Politik waren:
erstens die Beschränkung der Abgabenbelastung für die Bauern, die ihre Überschüsse wieder auf freien Märkten verkaufen konnten, und zweitens die Inkraftsetzung des Rubels als Zirkulationsmittel und damit die Wiedereinführung der Geldwirtschaft.
Die NEP entsprang letztlich der (ökonomischen) Kapitulation vor den Bauern. Sie wurden ins Recht gesetzt, ihr Privateigentum, das ja nicht abgeschafft wurde, in ihrem Interesse zu nützen.


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