2.1.4.3 Arbeit und Verteilung

Die Organisierung der Arbeit war vor allem auf die Städte beschränkt, denn auf dem Land verschwand das Landproletariat sukzessive mit der Bildung kleinster Bauernwirtschaften.
Von 1918 bis Anfang 1921 können diesbezüglich zwei Tendenzen festgestellt werden: erstens die zunehmende Verschärfung der Arbeitspflicht und zweitens die allmähliche Ersetzung des Geldlohnes durch Lebensmittelkarten.
Nicht nur der Aufbau der neuen Ökonomie, sondern auch die Kriegssituation geboten den Einsatz aller potentiellen Arbeitskräfte. Teile der Arbeiterschaft waren in der Roten Armee gebunden, andere Teile kehrten auf das Land zurück. In den meisten Bereichen mangelte es an Arbeitskräften. Die Arbeiten wurden nun von Verwaltungsstellen zugewiesen, meist im gleichen Ort, denn für entferntere Arbeitseinsätze fehlte die Infrastruktur.
Vorerst wurden Geldlöhne ausbezahlt. Diese wurden immer mehr durch Lebensmittelkarten (Pajok) ersetzt, welche bei den staatlichen Verteilstellen eingelöst werden konnten. Die Kriterien der Geldlohnzahlung, welche sich noch an der übernommenen (marktwirtschaftlichen) Lohndifferenzierung orientierten (z.B. verdienten Angestellte mehr als die Arbeiter), wurden mit dem Übergang auf das Kartensystem verändert. Anfang 1920 proklamierte man auf dem 3. allgemeinen Gewerkschaftskongress die „zielgemäße Versorgung der Arbeiter entsprechend ihren Leistungen und der Bedeutung ihrer Arbeit für den Staat.“ (16). Arbeiter und technisches Personal wurden nun bei Sonderzuteilungen (z.B. Prämien) bevorzugt.
Obzwar dazu übergegangen wurde, Teile der Versorgung unentgeltlich zur Verfügung zu stellen (Wohnungen, Gesundheitsdienste, Wasser, Gas, Straßenbahn, teilweise auch Bekleidung) wurde die Versorgungslage immer schlechter (Gründe siehe weiter oben).

Das Pajok-System war auch verknüpft mit der Einschränkung der freien Märkte. Trotz des Aufbaus staatlicher Verteilstellen und der offiziellen Absicht, freie Märkte zu beseitigen, wurden diese ziemlich lange geduldet und als Versorgungsergänzung gesehen. Solange Geld kursierte und die staatlichen Verteilungsstellen nicht ausreichend Güter anbieten konnten, war es naheliegend, dass sich Märkte bildeten. Auf diesen boten die Bauern ihre Überschüsse an, also Lebensmitteln, die sie selbst nicht benötigten und den staatlichen Abgabeverpflichtungen vorenthielten.
1920 wurden dann alle freien Märkte strikt verboten bzw. der Schleichhandel mit der Androhung von hohen Strafen verfolgt. Die Bedeutung der freien Märkte hatte allerdings zu dieser Zeit schon stark abgenommen. Mit der Hyperinflation des Rubels und dem Übergang auf das Pajok-System (- die Lebensmittelkarten konnten nur bei den staatlichen Stellen eingelöst werden -) gingen den freien Märkten mit der Zeit die Kunden verlustig. Anfang 1921 war es dann nur mehr möglich, sich mit Lebensmittelkarten Güter bei den staatlichen Verteilstellen zu besorgen.


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  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:23 Uhr
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