6 Tugend

Schließlich gibt es nicht allzu wenige Leute, die der Marktwirtschaft gar nicht freundlich gesinnt sind, weil diese die wahren Werte der Menschen und ihres Zusammenlebens untergraben würde und auch schon erfolgreich zerstört hätte.
Diese Kritiker der Marktwirtschaft sind aber nicht unbedingt Freunde der BVW:
„Nicht noch mehr Konsum und Freizeit bringen ein gutes Zusammenleben zustande. Im Gegenteil: Bescheidenheit und Demut bringen die Menschen zurück auf den Pfad der Tugend. Innere Harmonie und Liebe machen das wahrhaft gute Leben aus.“

„Bescheidenheit und Demut“
Sein Leben genießen kann man in unterschiedlicher Art und Weise. Manche brauchen dazu weniger, manche mehr materielle Annehmlichkeiten. Die BVW wird allen die Möglichkeit des Konsums anbieten – ob und wie nun diese angenommen wird, bleibt jedem selbst überlassen.
Umgekehrt aber zu behaupten, eine gute Versorgung behindere und verhindere ein gutes Leben bzw. Zusammenleben, schüttet wahrlich das Kind mit dem Bade aus. Die Predigt von Bescheidenheit und Demut kommt dann besonders gut an, wenn es den Menschen nicht so gut geht. Hat man sich mit den bescheidenen Verhältnissen und den höheren Gewalten, die diese herbeigeführt haben, abgefunden, dann kann daraus sogar ein positiver Wert werden: Seht her, ich lebe auch ohne all den schnöden Tand – und es geht mir besser als mit diesem. Wer sich solch eine Einstellung zugelegt hat, erträgt die ärmlichen und beschwerlichen Lebensumstände zweifellos besser als ein Mensch, der sich in Klagen und Selbstmitleid ergeht. Gewagt ist es allerdings, aus dieser psychologischen Selbstüberlistung einen Leitfaden für eine neue Gesellschaft zu machen. Übrigens, wie weit zurück sollte diese Bescheidenheit denn gehen – bis zum Mittelalter oder doch gleich bis zur Steinzeit?
Das gedeihliche Zusammenleben der Menschen ergibt sich nicht aus der Quantität des Konsums oder des Grades an Armut sondern daraus, wie der Reichtum erarbeitet und verteilt wird. Studiert man die Lebensverhältnisse im Laufe der Zeit, so zeigt sich, dass es weder ärmliche Verhältnisse noch die Unterwürfigkeit der Untertanen waren, welche ein angenehmes Leben ermöglichten – all diese Umstände brachten eher beschwerliche Lebensumstände mit sich.

„Innere Harmonie und Liebe“
Wie schon ausführlich erläutert, geht es in der BVW um die Organisation einer Gesellschaft, die ein gutes Leben ermöglichen soll: ausreichende Versorgung, angenehme (und nicht die Gesundheit gefährdende) Arbeitsbedingungen, ausgezeichnete Kranken- und Altenbetreuung, genügend Freizeit, welche für weitere Wissensaneignung, Genuss einer intakten Natur etc. genutzt werden kann.
Ob sich ein Gefühl der Zufriedenheit oder des Glücks einstellt, wird wohl von zusätzlichen Gegebenheiten abhängen, z.B. der Zuneigung zu bestimmten Menschen. Die Chancen, ein glückliches Leben zu leben, steigen jedenfalls in einer Gesellschaft, in welcher der Versorgung und Gesundheit zentrale Bedeutung zukommt, womit auch etliche Sorgen in dieser Hinsicht entfallen.
In dieser Gesellschaft würde es nicht verboten sein, sich als Eremit in die Berge zurückzuziehen, um zu meditieren. Schon gar nicht würde es verpönt sein, anderen Menschen zu helfen und ihnen Geborgenheit und Zuneigung zu bieten. Der Zweck der BVW wird es allerdings nicht sein, ihren Mitgliedern innere Einkehr und Liebe zu bescheren.


1 Antwort auf “6 Tugend”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 15. Dezember 2008 um 10:39 Uhr
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