5 Resümee

Leuten, die sich die Wirkungsweise dieser Wirtschaft und deren Einfluss auf ihr Leben klar machen wollen, bieten die Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus, speziell von Marx und Engels, elementares Material. Vor allem die Analyse des Kapitalismus, dargestellt im „Kapital“ von Marx, enthält grundlegende Erklärungen zu Privateigentum, Geld, Lohn, Profit, Markt. Diese Erkenntnisse haben im Wesentlichen trotz der Weiterentwicklung der Marktwirtschaft nichts an Stichhaltigkeit eingebüßt. Die Kritik der Marktwirtschaft findet in dieser Analyse genügend Anhaltspunkte. Nur eine fundierte Kritik der ökonomischen Verhältnisse wird auch eine erfolgreiche Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse in Richtung einer BVW bewirken können. Wenn z.B. klar ist, dass Geld auf dem Warentausch, also dem Tausch von Eigentum beruht, und sich in der Geldwirtschaft der Gebrauchwert (letztlich die Versorgung) dem Tauschwert unterzuordnen hat, so wird daraus abzuleiten sein, im Sinne einer Versorgungswirtschaft nicht nur das Eigentum, sondern auch das Geld abzuschaffen.

Was den „Historischen Materialismus“ betrifft, so kann man dessen schon oft zu Grabe getragenen Aussagen auch dort, nämlich im Grabe, lassen. Nicht alles, was unter diesem Titel geschrieben wurde, ist unkorrekt. Doch die Konsequenzen, die daraus, auch von Marx und Engels, gezogen wurden, sind mehr als zweifelhaft. Eine „Tendenz der Geschichte“ in Richtung Kommunismus kann getrost als Ideologie bezeichnet werden – als eine Weltanschauung, welche der wissenschaftliche Sozialismus nicht sein wollte.
Darauf beruhte auch zum Teil die Ablehnung, sich mit der Alternative ernsthaft auseinander zu setzen. Nicht einem utopischen Modell wollte man nachkommen, sondern der geschichtlichen Realität zum Durchbruch verhelfen. Die geschichtliche Realität in Vertretung des bürgerlichen Staates ließ dann eine Beteiligung der Arbeiterpartei an der Staatsmacht zu – mehr nicht. Wie schon erwähnt, gaben sich die Sozialisten mit der „Stärkung der sozialen Rechte“ (die Marx noch in der Kritik des Gothaer Programm angeprangert hatte) zufrieden. Nicht nur in Russland begehrten allerdings einige Kommunisten auf, die eine bloße Mitbeteiligung an der bürgerlich demokratischen Staatsmacht nicht akzeptierten. Die Aufstände wurden unter Beteiligung der parlamentarisch vertretenen Sozialisten niedergeworfen.

Aus dem Vorangegangenen kann nicht geschlossen werden, dass die Niederlage der Marktwirtschaftsgegner bzw. die Aufgabe der Gegnerschaft auf ein fehlendes Zukunftsmodell zurückzuführen ist.
Unsicher ist auch, ob es eine größere Anzahl an aktiven Interessenten für den Sozialismus oder Kommunismus gegeben hätte, wenn ein allgemein anerkanntes Modell vorhanden gewesen wäre. Vielleicht hätte man das Ziel nicht so schnell aus den Augen verloren. Die Gegnerschaft bezüglich der Marktwirtschaft und das Interesse an einer neuen Gesellschaft entschwand jedenfalls bei einem Großteil durch die Eingemeindung in die Nation und den Zusatz „soziale“ Marktwirtschaft, was eine Anerkennung der sozialen Anliegen der Arbeitnehmer und ihren Einsatz als Arbeitskraft bedeutete. Offensichtlich war dies für den Großteil der Sozialisten ausreichend.

Anders verlief die Gegnerschaft in Russland, wo sich in Folge der Schwäche der Zarenherrschaft ein „window of opportunity“ auftat, und es zu einer Revolution der politischen und ökonomischen Verhältnisse kam (siehe Kapitel „Der Kriegskommunismus und der Reale Sozialismus“).


1 Antwort auf “5 Resümee”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 05. Dezember 2008 um 17:19 Uhr
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