2.1 Kritik der Marktwirtschaft

Der Autor lebte in einer Zeit, in der die offen ausgetragenen Konfrontationen zwischen Arbeitern und Kapitalisten auf der Tagesordnung standen. Die Arbeiterklasse begann sich in stärkerem Maße zu organisieren, um sich den für sie verheerenden Wirkungen der fortschreitenden Industrialisierung zur Wehr zu setzen. Häufig kam es zu Streiks und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Verelendung der Arbeitnehmer nahm erschreckende Ausmaße an. Die große Kluft zwischen Arm und Reich war vor allem in den Städten augenscheinlich.
Den Ausgangspunkt für das Elend sah Bellamy in der Marktwirtschaft. Er kritisierte diese Organisation der Ökonomie, an der zwar alle Menschen beteiligt wären, die jedoch den Beteiligten große Unterschiede in den Lebensverhältnissen bescherte.
In der Marktwirtschaft würde nicht für einen gemeinsamen Zweck, die Versorgung („Wohl aller Volksglieder“) produziert, sondern es arbeite und produziere jeder gegen jeden. Die blindwütige Konkurrenz treibe Unternehmen in den Bankrott, verursache Verschwendung, Krisen und Arbeitslosigkeit. Keineswegs wäre es so, dass die Menschen es nicht zustande brächten, gesellschaftliche Vorhaben zu planen und gemeinsam durchzuführen. Konzerne praktizierten das genau so wie Armeen – was Bellamys Protagonisten Julian West angesichts des Aufmarsches der Armee zu folgender Anklage verleitet:
„Konnte es denn sein, dass für die Menschen, die mit leuchtendem Antlitz zusahen, dieser Anblick lediglich das Interesse eines Schauspiels hatte? Mussten sie nicht gewahren, dass ihr vollkommen einmütiges Handeln, ihre Organisation unter einheitlicher Leitung es war, was diese Menschen zu der furchtbaren Maschine machte, die imstande war, einen zehnmal so großen Pöbelhaufen zu bezwingen? Da sie dies so klar sahen, wie konnten sie es unterlassen, die wissenschaftliche Weise, in der die Nation in den Krieg zog, mit der unwissenschaftlichen Weise zu vergleichen, in der sie an die Arbeit ging? Mussten sie nicht fragen, seit wann das Töten der Menschen eine so viel wichtigere Aufgabe sei als ihre Bekleidung und Ernährung, dass man eine geschulte Armee nur für die erstere für nötig erachtete, während man die letztere einem Pöbelhaufen überließ?“ (2)
Bellamy weist immer wieder darauf hin, welch enorme Verluste an Reichtum und Gesundheit eine Gesellschaft erleide, welche als privatwirtschaftliche Konkurrenzwirtschaft organisiert sei.
Die Marktwirtschaft erschien ihm zu unvernünftig, weil zu ineffizient. Mit vielen Beispielen und Bildern versucht er dies aufzuzeigen.
Am bekanntesten ist das „Regenschirmbeispiel“:
„Sie erzählte mir, dass gegenwärtig alle Straßen in der nämlichen Weise [Überdachung der Trottoirs – Anm. d. A.], wie ich es hier sähe, gegen ungünstiges Wetter geschützt wären und dass die Vorrichtung aufgerollt würde, wenn sie nicht mehr nötig wäre […] Dr. Leete, der ein wenig vorausgegangen war und etwas von unserm Gespräch gehört hatte, wandte sich um und sagte, der Unterschied zwischen dem Zeitalter des Individualismus und dem des Zusammenwirkens werde sehr gut durch die Tatsache gekennzeichnet, dass im neunzehnten Jahrhundert, wenn es regnete, die Bewohner Bostons dreihunderttausend Regenschirme über ebenso viel Köpfe ausspannten, während man im zwanzigsten Jahrhundert nur einen einzigen Regenschirm über allen diesen Köpfen ausbreite.“(3)
Er hält sich nicht mit einer Analyse von Privateigentum, Markt und Kapital auf, erkennt aber in diesen Charakteristika der Marktwirtschaft die Ursache für die schädlichen Wirkungen, die ihn stören. Dementsprechend gibt es im Alternativmodell kein Privateigentum, keinen Warentausch und kein Kapital.


1 Antwort auf “2.1 Kritik der Marktwirtschaft”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 15. Dezember 2008 um 10:53 Uhr
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