1 Thomas Morus – „Utopia“

„Hier dagegen, wo allen alles gehört, ist jeder sicher, dass keinem etwas für seine persönlichen Bedürfnisse fehlt, sofern nur dafür gesorgt wird, dass die öffentlichen Speicher gefüllt sind. Es gibt nämlich keine missgünstige Güterverteilung, es gibt weder Arme noch Bettler dort, und obwohl keiner etwas besitzt, sind doch alle reich. Denn welch größeren Reichtum kann es geben, als wenn man, jeder Sorge ledig, frohen und ruhigen Herzens leben kann, ohne um sein tägliches Brot zu bangen, ohne von der jammernden Ehefrau um Geld geplagt zu werden, ohne die Verarmung des Sohnes fürchten zu müssen und sich um die Mitgift der Tochter zu sorgen, sondern des eigenen Auskommen und Glücks genauso sicher zu sein wie dessen aller seiner Angehörigen: Frau, Kinder, Enkel, Urenkel […]
Zumal nicht weniger für die gesorgt ist, die jetzt arbeitsunfähig sind, einst aber geschafft haben, als für die, die jetzt arbeiten.“
(Thomas Morus, Utopia )

Der Engländer Thomas More (Morus) schrieb sein bekanntestes Werk 1515 / 1516 in Flandern, wo er zu dieser Zeit als Gesandter der englischen Krone weilte. Dort nahm sich der gelernte Advokat „die nötige Zeit“, um sich einem seiner philosophischen Anliegen, nämlich „der besten Staatsverfassung“, zu widmen.

Das Werk besteht aus zwei Teilen (Büchern). Im ersten Buch setzt sich der Autor kritisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen im England der damaligen Zeit auseinander und wirft die Frage auf, ob es sinnvoll ist, als Philosoph einem König Ratschläge zur vernünftigen Führung des Staates zu erteilen. Dieser Teil wurde nach dem zweiten Teil entworfen und vermutlich von More deshalb nachgeschoben, um sein gesellschaftspolitisches Anliegen zu unterstreichen.
Im zweiten Buch werden die gesellschaftlichen Zustände auf der Insel Utopia („Nirgendwo“) beschrieben.


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