1.1 Errichtung

Die spanische Kolonialmacht (wie auch andere Mächte) ging in der Regel mit einem besetzten Land und der einheimischen Bevölkerung nicht zimperlich um. Die vorhandenen Reichtümer wie Gold, Gewürze oder haltbare Lebensmittel wurden abtransportiert, die heimische Bevölkerung umgebracht und / oder versklavt. Damit einher ging in Südamerika auch eine (vorerst recht erfolglose) Missionierung der Indianer. Obwohl die „Nuevas Leyes de Indias“ („Neue Indianergesetze“ der spanischen Kolonialmacht) eine Behandlung der Indianer als „freie Menschen“ vorsahen, wurden diese in der Praxis auch mit Billigung der Krone missachtet.
Eine Ausnahme bildete das spanische Kolonialgebiet südlich von Brasilien, welches Grenzgebiet zur portugiesischen Kolonie war. Die dort ansässigen Guarani-Indianer konnten lange Zeit nicht befriedet werden, die ersten Missionsversuche schlugen fehl. Diese unruhigen Grenzgebiete unterstanden direkt der Befehlsgewalt des spanischen Königs (Philipp III.) und waren dessen Eigentum. Dieser Umstand ermöglichte es seinem Provinzial, Diego de Torres Bollo, den Jesuiten offiziell Gebiete zuzuweisen, wo sie Siedlungen errichten konnten, in denen die Indianer „geistig“ erobert und befriedet werden sollten.

Die Jesuiten hatten schon vor diesem offiziellen Angebot mit der Errichtung von Siedlungen begonnen, deren Erfolg den König veranlasste, den Padres freie Hand bei der Betreuung dieses Gebietes zu lassen.
So entstanden ab 1609 im Laufe der Zeit 30 – 36 Siedlungen („Reducciones“) mit jeweils 4.000 – 10.000 Einwohnern. Diese Reduktionen stellten von ein bis zwei Padres autonom verwaltete Einheiten dar, die untereinander kaum Austausch bzw. Handel betrieben. Die Jesuiten beschränkten sich nicht auf Missionstätigkeiten, sondern organisierten eine Ökonomie, welche die Besonderheiten der heimischen Kultur miteinbezog.


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