4.1 Planung

Ist von Planwirtschaft die Rede, wird von einigen Kritikern sofort entgegnet, die Wirtschaft eines größeren Gemeinwesens sei nicht planbar:
„Eine geplante Wirtschaft muss deshalb scheitern, da zu viele Daten und Faktoren berücksichtigt werden müssen. Die Wirtschaft läuft nicht nach Naturgesetzen ab und lässt sich nicht mit Planungsrechnungen beherrschen, da gewisse soziale Komponenten immer Unwägbarkeiten darstellen. Außerdem verlangsamt eine Planungsbürokratie wirtschaftliche Entscheidungen und hemmt die wirtschaftliche Entwicklung.“

„Zu viele Daten und Faktoren“
Die Betonung liegt also auf dem „zu viel“ an Daten und diesbezüglich stellt sich die Gegenfrage, weshalb man vor der Fülle der Daten, wenn diese bekannt sind, kapitulieren müsste. Selbst die Betriebe der Marktwirtschaft widerlegen diese Bedenken: Jeder Betrieb versucht zu planen und kapituliert keineswegs vor der Komplexität der Berechnungen. Die marktwirtschaftliche Logistik (Gütertransport) benötigt einiges an Planungsaufwand, um dafür zu sorgen, dass die Waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort einlangen. Auch Großveranstaltungen, wie etwa Olympische Spiele, wurden noch nie wegen mangelnder Planbarkeit abgesagt – diese ist dabei immer außer Frage gestellt.
Wenn Planberechnungen der marktwirtschaftlichen Betriebe fehlerhaft sind, so liegt dies meistens an den Unwägbarkeiten des Marktes. Wie sich Konjunktur und Konkurrenz entwickeln, ist in der Marktwirtschaft tatsächlich nicht planbar.
Die Bewältigung der „Fülle der Daten“ sollte mit der Unterstützung von Großrechnern keine Probleme verursachen. Die Komplexität der Daten, die bei der Landung eines bemannten Raumfahrzeuges auf dem Mond oder Mars zu berücksichtigen sind, übertreffen wahrscheinlich die Material- und Arbeitszeitberechnungen einer BVW bei weitem.

„Wirtschaft unterliegt unvorhersehbaren Größen“
Gewisse Größen (wie z.B. Krankenstände) sind exakt nicht vorauszusagen. Dies sollte aber eine Arbeitskräfteplanung nicht verunmöglichen. Fehlzeiten der Arbeitenden können zwar nicht genau bestimmt werden, führen aber bei guter Organisation der Produktion zu keinen gravierenden Engpässen. Der Arbeitskräftemangel, der in einigen Berufsparten fallweise entstehen könnte, sollte sich mittelfristig durch die schon mehrmals besprochenen Maßnahmen beseitigen lassen (siehe Kapitel „Grundriss einer BVW / Arbeit und Zuteilung“). Ist die Unwägbarkeit des Marktes bereinigt, lassen sich Bedarf, benötigte Leistungserstellung, Materialverbrauch und optimale Zulieferung berechnen und bei entsprechender Organisation auch beherrschen. So etwas wie Naturgesetze gibt es in einer Ökonomie nicht – Notwendigkeiten allerdings schon, z.B.: Für die Herstellung von 10.000 Paar Winterschuhen, Type x, benötigt man n1 Meter Leder, n2 Stunden Arbeitszeit etc.
Dabei sind Ungenauigkeiten und Unwägbarkeiten nicht auszuschließen. Bei den Gütern des täglichen Bedarfs, die nicht vorbestellt werden, wird es nicht möglich sein, die letztlich tatsächlich konsumierte Menge exakt vorauszuberechnen. Aufgrund von Erfahrungswerten und statistischen Hochrechnungen kann der Bedarf möglichst genau geschätzt werden. Um Mängel aufgrund dieser Unwägbarkeiten vorzubeugen, wird die Planmenge durch einen Sicherheitsaufschlag etwas erhöht. Sollten Produkte nicht konsumiert werden, so könnten sie weiterverarbeitet und einer anderen Verwendung zugeführt oder in Regionen mit Unterversorgung gebracht werden.
Es gilt dann, mit diesen Unsicherheitsfaktoren so umzugehen, dass die Versorgung darunter nicht leidet. Verunmöglichen kann das eine gut organisierte BVW nicht.

„Planungsbürokratie hemmt wirtschaftliche Entwicklung“
Tatsächlich kontraproduktiv wäre es, wenn die Planungskomitees zu schwerfällig und einander widersprechend agieren (wie es fallweise im Realen Sozialismus tatsächlich der Fall war). Aber die Schwerfälligkeit ist doch nicht der Planung oder den Komitees per se anzulasten – es kommt doch ganz darauf an, wie die Organisation aussieht. Die Planung wird von sinnvoll aufgeteilten und eigenverantwortlich arbeitenden Planungsabteilungen geleistet, deren Ergebnisse von einer Planungszentrale kontrolliert und bestätigt werden. Es werden Großrechner eingesetzt, welche die Informationen verarbeiten und gewisse Entscheidungen abnehmen:
Wenn zusätzlich n1 Stück A produziert werden sollen, werden zusätzlich n2 Produkt B etc. und n3 Arbeitsstunden benötigt. Mögliche freie Kapazitäten werden berechnet. Es ist nicht einzusehen, weshalb solche Berechnungen die Komitees überfordern sollten.
Ähnlich wie bei Flugüberwachungssystemen wird die Planungsabteilung Unterstützung durch ein Kontrollrechensystem bekommen.


1 Antwort auf “4.1 Planung”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:02 Uhr
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