3.3 Die Vernunft des Menschen

Einen ähnlichen Inhalt weist folgende Kritik auf:
„Die BVW setzt voraus, dass alle Beteiligten vernünftig und im Sinne der gemeinsamen Sache handeln. Diese Voraussetzung ist unzulässig, die BVW deshalb zum Scheitern verurteilt.“
Die Voraussetzungen der BVW bestehen darin, dass die Mitglieder deren Prinzipien gutheißen und gewillt sind, diese umzusetzen. Sicherlich kann man Bedenken haben, ob die Vorteile der Versorgungswirtschaft wirklich eingesehen werden.
Die oben angeführte Kritik an der Vernunft der Menschen hat jedoch gar nicht diese Bedenken zum Inhalt. Es wird der prinzipielle Verdacht ausgesprochen, dass die Menschen nicht fähig wären, ihr Zusammenleben vernünftig zu gestalten.
Die Skeptiker bezüglich der Vernunft denken an die oft vergebliche Aufforderung an Kontrahenten: „Seid doch vernünftig!“ Die Kontrahenten sollten im Sinne des Friedens von der Durchsetzung ihres jeweiligen Interesses ablassen. Wenn diese Aufforderung nichts bewirkt, so liegt der Grund nicht in „mangelnder“ Vernunft, sondern am Inhalt und Stellenwert der Interessen. Das Handeln der Leute kann doch nicht mit einer Eigenschaft erklärt werden, die sie nicht besitzen: Sie wären nicht vernünftig, deshalb … Die Agierenden haben gewisse Interessen, die das Handeln leiten. Diese Interessen sind zu beurteilen und gegebenenfalls zu kritisieren.
„Fehlende“ oder „mangelhafte“ Vernunft legt für die Kritiker den Schluss nahe, dass eine Zweckgemeinschaft einzig auf Basis von Zwang und einer obersten Gewalt funktionieren könne. (Bezüglich dieser Argumentation siehe auch das Kapitel „Homo homini lupus“). Widerlegt wird dieses Standardargument doch auch durch die Bildung von Freundeskreisen oder Interessengemeinschaften, die ganz ohne Gewalt ihren gemeinsamen Zwecken nachgehen – also von wegen, es bedürfe einer Gewalt, wenn Leute miteinander verkehren.
Bodenlos wird die Kritik mit dem Zusatzgedanken des Kritikers, er selbst hätte ja durchaus Ambitionen, friedlich mit allen auszukommen, aber der Charakter etlicher Mitmenschen tauge diesbezüglich nichts: Ich bin ja vernünftig, aber die anderen …“ Das behaupten doch beinahe alle, oder?


1 Antwort auf “3.3 Die Vernunft des Menschen”


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