3.1 Erziehung

Als erste kritische Stellungnahme zum Charakter des Menschen sei eine dem ersten Anschein nach „zustimmende“ Kritik erwähnt:
„Die BVW setzt einen besonders sozialen Charakter des Menschen voraus. Der heutige Mensch entspricht diesem ganz und gar nicht. Zuerst müssten die Menschen also dahingehend erzogen werden, dann erst könnte eine BVW erfolgreich organisiert werden.“
Dieser Kritik sieht man vorerst nicht an, dass sie gegenüber dem Zweck der BVW und deren Durchsetzung negativ eingestellt ist. Dieser wohlmeinende Ratschlag zur Strategie der praktischen Umsetzung der BVW liefert aber meist auch gleichzeitig den Verdacht der vergeblichen Bemühungen mit: „Diese Erziehung braucht sehr lange (zu lange) und ist wahrscheinlich auch nicht erfolgreich, da der Großteil der Menschen sich in dieser Hinsicht nicht erziehen lässt.“

Dem ersten Teil dieser Argumentation sei entgegengehalten, dass die BVW keinen „anderen“ Menschen voraussetzt. Die Umsetzung der BVW impliziert allerdings folgende Bedingungen:
- erstens die Einsicht, dass die Marktwirtschaft den meisten nicht wohl bekommt und das Erkennen der Gründe, weshalb dem so ist
- zweitens den Willen der Betroffenen, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu ändern
- drittens die allgemeine Akzeptanz der Prinzipien der BVW und die Mitarbeit bei der Durch- und Umsetzung
Letzteres wird dann gelingen, wenn den Leuten klar ist, dass in der neuen Gesellschaft mit ihrem Arbeitseinsatz sowohl ihre eigene Reproduktion als auch die der Gesellschaft befördert wird und dabei keine Gegensätze auftreten. Zweifellos bedarf es diesbezüglich einer Agitation und Schulung – die neue Gesellschaft muss „begriffen“ werden, – aber keiner Umerziehung zur Entwicklung einer neuen Moral. Diese ergibt sich als Konsequenz der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse.
Die Durchführung der BVW basiert auf einer fundierten Ausbildung der Mitglieder. Die neue Gesellschaft ist eine Gesellschaft des Wissens. Nur solche Mitglieder der neuen Gesellschaft, denen der Zusammenhang zwischen Einzelinteresse und Gesamtinteresse nicht verständlich ist, werden zusätzlicher moralischer Leitsätze bedürfen.

Die letzteren Bemerkungen sind nicht zu verwechseln mit dem zweiten skeptischen Teil der oben angeführten Bedenken hinsichtlich des sozialen Charakters des Menschen. Diese bestehen in dem Verdacht, dass die BVW am bornierten Charakter des Menschen scheitern wird. Weshalb sollten die Menschen eigentlich so borniert sein? Antwort: Sie sind eben so, es ist ihre Natur. Diese weit verbreitete Ansicht kommt nun in verschiedenen Varianten vor, denen die folgenden Kapitel gewidmet sind.


1 Antwort auf “3.1 Erziehung”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:01 Uhr
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