8 Ausbildung

Die Vertreter des schulischen Ausbildungssystems in der Marktwirtschaft geben zwar vor, den jungen Menschen bloß Wissen zu vermitteln – dies führt in der durchgeführten Praxis allerdings dazu, eine Aussortierung und Zuweisungen zu Berufshierarchien (und damit auch Einkommenshierarchien) vorzunehmen. Ob jemand sein Leben lang (von Arbeitslosigkeit unterbrochen) einen schlecht bezahlten, nicht minder anstrengenden Job oder eine besser bezahlte, „gehobenere“ Tätigkeit ausübt, entscheidet sich meist schon recht früh im schulischen Ausbildungssystem.
In den ersten Jahren werden den jungen Menschen die grundlegenden Wissenselemente für die Anforderungen des (Arbeits)lebens beigebracht: Rechnen, Lesen, Schreiben und staatsbürgerliche Tugenden. Dabei geht es für die einzelnen Schüler um die Bewältigung der Anforderungen in einer gewissen Zeit. Nicht das Vermitteln von Wissensinhalten, so lange bis es jeder versteht, ist Sinn und Zweck, sondern die Feststellung von Unterschieden hinsichtlich Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit. Ausgedrückt wird dies in Noten, und es werden Zeugnisse ausgegeben, in denen nicht festgehalten wird, was dem Menschen noch an Wissen fehlt und wie und wann das vermittelt werden soll, sondern wie sehr sich der Schüler – vor allem im Vergleich zu anderen – bewährt hat. Damit bekommt die Jugend auch eine Botschaft mit auf ihren Lebensweg, und sie begreift auch recht früh, worum es geht: sich in der Konkurrenz zu bewähren und durchzusetzen. Wer den Anforderungen nicht entspricht, ahnt, dass sein zukünftiges Leben ziemlich hart und armselig verlaufen wird.
Mit der spezifischen Fachausbildung wird die Sortierung auf höherer Stufe fortgesetzt. Ob man letztlich mit einer Ausbildung auch einen guten Job ergattert, entscheiden wieder die ganz anderen Kriterien des Arbeitsmarktes. Eine gute Berufsausbildung ist also mitnichten ein Garant für einen Job und schon gar nicht auf ein lebenslang gesichertes, gutes Einkommen.
Die den jungen Menschen mitgegebenen Werte, wie Freiheit, Gleichberechtigung, Demokratie etc., werden meist ihr Leben nicht sonderlich beeinflussen, viele jedoch als Weltanschauung lebenslang begleiten.
Ist man längere Zeit in einem Berufsfeld tätig, gelingt der Aufstieg und Umstieg durch Weiterbildung bzw. Umschulung nur ganz selten. Die Weiterbildung neben der Arbeit kann sich auch negativ auf die gesundheitliche Verfassung auswirken und wird innerhalb der Familie zur psychischen Belastung. Eine Umschulung, wenn nicht im Betrieb selbst durchgeführt, entspringt meist einer Notsituation und stellt die Betroffenen oft vor schwerwiegende Lernprobleme. Selbst wenn diese Klippe geschafft ist, liegt es beim Arbeitgeber, dies auch entsprechend zu würdigen. Fortgeschrittenes Alter, zu hohe Gehaltsvorstellungen, mangelnde Praxis, traditionelle Vorurteile („was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“), sind weitere Kriterien, die in der Marktwirtschaft zählen. Die Konkurrenz am Arbeitsmarkt tut das übrige …

Der Zweck des Ausbildungssystems der BVW ist Wissensvermittlung und das Erlernen von bestimmten Fertigkeiten, welche gewährleisten, dass die für die Versorgung notwendigen Tätigkeiten in bester Art und Weise vollzogen werden können. Zur Ausbildung junger Menschen wird auch dazugehören, die Wirkungsweise der BVW zu erklären. Jedem sollte klar werden, dass diese Gesellschaft und ihre gute Versorgung auf der Zusammenarbeit aller Mitglieder bestehen, und jeder im eigenen Interesse seinen Beitrag dazu leisten kann.

In der ersten Stufe der Grundausbildung werden dem jungen Menschen vor allem Sprach- und Rechenkenntnisse vermittelt, in der zweiten Stufe weitere Grundkenntnisse der Naturwissenschaften, Technologie etc.
Der didaktische Schwerpunkt liegt auf der Wissensvermittlung und dem Verstehen des Erlernten.
Die Zusammenfassung in Lerngruppen orientiert sich an dem Grad des Verstehens. Es ist in diesem Sinne durchaus angebracht, vom starren Schulklassensystem, in dem gleichaltrige alle Fächer durchmachen, abzugehen und stattdessen Lerngruppen für bestimmte Wissensgebiete einzuführen. Nicht das Alter der Teilnehmer ist für die Teilnahme an diesen Lerngruppen maßgebend sondern Vorwissen und Auffassungsgabe.
Ziel ist es, jedem diese Grundlagen so lange zu erklären, bis diese verstanden und beherrscht werden. Alter spielt keine Rolle, manche brauchen länger, manche kürzer. Etwas längere Zeit in einem Fach können durch kürzere Zeiten in anderen Fächern aufgeholt werden. Die einzige Konsequenz, die langsameres Lernen hat, ist der spätere Einstieg in die Arbeitsphase (also später als mit dem 19. Lebensjahr, siehe dazu auch Kapitel „Grundriss einer BVW / Zuteilungsstufen“)
Tests dienen dazu, das Verständnis des Auszubildenden zu überprüfen, auf eine Notengebung kann verzichtet werden.
Zur Grundausbildung gehören auch die Ausbildung in musischen Fächern und die Vermittlung von Inhalten, die heute mit dem Begriff „Allgemeinbildung“ bezeichnet werden.
„Güterversorgung“ beinhaltet eben auch „kulturelle Güter“, wie z.B. Konzerte etc. Auch in dieser Hinsicht wird keine Verwahrlosung eintreten, im Gegenteil. Durch die gestiegene Freizeit wird es, wie schon erwähnt, auch erhöhten Bedarf an Beschäftigung mit allen möglichen Bereichen des Geistes- bzw. Kulturlebens geben.

Schon während der zweiten Grundstufe werden Begabungen und Interessen beobachtet, und in Absprache mit dem Jugendlichen eine bestimmte Fachrichtung (z.B. Produktion, Naturwissenschaften, Gesundheitswesen etc.) ausgewählt, für die er in der dritten Ausbildungsstufe eine grundlegende Einführung erhält. Die Dauer der dritten Ausbildungsstufe hängt von der gewählten Fachrichtung ab. Sollte die Fachrichtung dem Auszubildenden nicht liegen, ist ein Wechsel zu einer anderen Fachrichtung möglich.

Die vierte Ausbildungsstufe findet in einem Betrieb statt, in den die Auszubildenden integriert werden und durch eigene Betriebstrainer (bzw. Fachtrainer) in den speziellen Arbeitsbereich eingeführt werden.
Bei der Aufnahme in einen bestimmten Betrieb mischt sich auch das Arbeitplanungskomitee ein.
Einen wichtigen Faktor im Ausbildungssystem stellen die Betriebstrainer dar, die sich vollends auf die Einschulungskräfte konzentrieren können. Weder Trainer noch Einzuschulender werden als gering zu haltende Kosten wie in der Marktwirtschaft kalkuliert.
Mit Beginn der vierten Stufe beginnt die Durchrechnung der (durchschnittlichen) Arbeitszeit (also ungefähr mit dem 19. Lebensjahr).

Es wird üblich sein und auch von den Arbeitskomitees forciert werden, dass ein und dieselbe Tätigkeit nicht das ganze Leben auszuüben ist, sondern ein Arbeitsleben mehrere unterschiedliche Tätigkeiten umfassen wird. Dieser Wechsel der Tätigkeiten wird innerhalb einer Fachrichtung stattfinden. Die Vorteile dieses Wechsels bestehen darin, dass
- Tätigkeiten nicht zu einer eintönigen Routine werden und damit zu einer Belastung werden,
- das Begabungspotential besser ausgeschöpft werden kann,
- unangenehmere Arbeiten angesichts einer begrenzten Zeitdauer eher angenommen werden,
- ein Potenzial an vielseitigen Arbeitskräften für die gesellschaftliche Produktion zur Verfügung steht.

Ein Wechsel von einer Fachrichtung in eine andere soll auch möglich sein, hätte aber zur Folge, dass die dritte Stufe der Ausbildung nachgeholt werden muss. Ob diese Zeit für die Berechnung der Arbeitszeit verloren geht, bleibt dann der gesellschaftlichen Diskussion überlassen.

Trotz der Ausschöpfung aller Verbesserungsmöglichkeiten wird es Tätigkeiten geben, die sich aufgrund gewisser Belastungen keiner großen Beliebtheit erfreuen werden (z.B. Kranken- oder Seniorenpflege). Wenn beschlossen wird, dass eine bestimmte Tätigkeit für die Gesellschaft notwendig ist und deshalb nicht abgeschafft werden kann, dann könnte das Interesse an diesen Arbeiten, wie schon weiter oben erwähnt, auch durch einer höhere Bewertung der Arbeit gesteigert werden.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, solche Tätigkeiten zum Bestandteil der Ausbildung in der dritten bzw. vierten Ausbildungsstufe zu machen (z.B. ein Mediziner auch eine Zeit lang die Krankenpflegertätigkeit im Rahmen seiner Ausbildung auszuüben hat), möglicherweise auch mit einer zusätzlichen Zeitgratifikation.
Die Maßnahme, die allgemeine Stufe der Versorgung jemanden nur zukommen zu lassen, wenn er Zeiten dieser Tätigkeiten nachweisen kann („Sozialdienst“), sollte durch die oben genannten Möglichkeiten vermieden werden können.


1 Antwort auf “8 Ausbildung”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:00 Uhr
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