7.5.5 Kunst und Sport

Kunst und Sport gelten in der Marktwirtschaft gemeinhin als nicht bezahlte Tätigkeiten der Privatsphäre, außer diese werden „professionell“ betrieben.
Die private Kunst- und Sportausübung wird in der Marktwirtschaft nicht verhindert. Es ist allerdings nicht jedem möglich, diese auch ausreichend zu praktizieren: Mangelnde Zeit und Muße, ein abgestumpfter Geist und ein ermüdeter Körper verhindern oft die aktive Betätigung – es bleibt eine passive Rezeption als Zuseher oder Zuhörer.
Die professionellen Anbieter von Kunst und Sport mögen zwar gar nicht so rar sein – gut leben von diesen speziellen Angeboten können nur ganz wenige.
Die Kunst ist von Markt und Marketing abhängig, und es setzt sich das durch, was von „Kennern“ der Szene zu etwas „gemacht“ wird. Können und Geist sind dabei nicht unbedingt die Kriterien, auf die es ankommt. Selbst Originalität bietet keine Sicherheit, dass man von der Kunst leben kann.
Auch bei den professionellen Sportlern kommen die wenigsten in den „Genuss“, nach der Ausübung ihres Berufes ausgesorgt zu haben. Eines ist aber auch für jene gewiss, die keinen oder nur einen geringen Marktwert erzielen: Der Körper ist innerhalb weniger Jahre erheblich, oft auf Lebenszeit geschädigt.

Wenn in der BVW mehr „Nichtarbeitszeit“ zur Verfügung steht, kann sich das bezüglich der aktiven Betätigung in den erwähnten Bereichen nur positiv auswirken.
Schon in der schulischen Ausbildung wird auf das Erlernen von musischen Fertigkeiten, die dann im späteren Leben ausgebaut und verfeinert werden können, Wert gelegt.
Begabte Mitglieder, die in der Schule durch besonders gute Leistungen in musischen Fächern aufgefallen sind, werden künstlerisch ausgebildet und arbeiten als Auftragskünstler. Auftraggeber sind die für die verschiedenen Künste eingerichteten Kulturgruppen. Diese diskutieren darüber, welche Projekte in Angriff genommen werden sollen.
Kulturgruppen bzw. -vereine geben ihre Bedürfnisse den Kulturabteilungen bekannt, welche die Planung (Bereitstellung von Material und Künstlern) übernehmen.
Es würde auch dem Bedürfnis nach künstlerischer Tätigkeit keinen Abbruch tun, diese Sphäre der Betätigung hauptsächlich den Freizeitaktivitäten zu überlassen und auf den professionellen Künstler zu verzichten. Das bedeutet nicht eine Abwertung kultureller Aktivitäten, sondern würde die musisch Tätigen davon befreien, ihre Kreativität und Originalität ständig unter Beweis stellen zu müssen. Die künstlerischen Betätigungen sollten Spaß machen und nicht zu einer gesellschaftlichen Zwangsveranstaltung pervertieren.

Allen Mitgliedern werden Möglichkeiten geboten, sich sportlich zu bewegen – eine Verpflichtung, Sport zu betreiben, wird es nicht geben.
Man sollte gesellschaftlich übereinkommen, ob zwecks Unterhaltung Sportveranstaltungen angeboten werden.
Es wäre angebracht, solche Veranstaltungen zu unterlassen, bei denen die Gesundheit der agierenden Sportler auf Dauer angegriffen wird.
Auch für diese Sphäre gilt das gleiche, wie für die künstlerischen Aktivitäten: der Sport könnte ebenfalls gänzlich den Freizeitaktivitäten überlassen werden. Dies würde der Bewegungsfreude keinen Abbruch tun und so manchem Sportler Schäden fürs Leben ersparen.
Der Jagd nach neuen Rekorden kann jeder in seiner „Nichtarbeitszeit“ nachgehen, gefördert wird sie in der BVW nicht.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, obliegt es auch der gesellschaftlichen Diskussion, welche Kunstmaterialien bzw. Kunst- und Sportgeräte hergestellt werden. Anders gesagt: Entschieden werden muss, welche Produkte der gesellschaftlichen Planung unterzogen und als gesellschaftliche Arbeitszeit gewertet werden. Die Artikel, die nicht geplant produziert werden, wie etwa Dudelsäcke oder Boxhandschuhe, können von Vereinen in der Freizeit hergestellt werden, wenn es ein Bedürfnis geben sollte, diese Aktivitäten auszuüben.