7.3 Chipkarte

In der BVW findet kein Kauf statt. Die Ware wird abgeholt und auf der Chipkarte verbucht.
Wie schon erwähnt wurde, ist auf der Chipkarte auch der Status der Versorgung des BVW-Mitglieds angegeben und damit der Anspruch auf bestimmte Güter bzw. der Zutritt zu den betreffenden Zuteilungsstellen gewährleistet.
Jedes Gut wird mit einem Code versehen, der bei der Entnahme in einen Kontrollautomaten eingegeben wird. Erst nach dieser Eingabe kann das Lagerhaus verlassen werden. Bei Bestellgütern wird überprüft, ob dieses Gut vom betreffenden Verbraucher bestellt wurde und wann das letzte Mal ein Gut für nämlichen Gebrauch bezogen wurde.
Bei Gütern des täglichen Bedarfs, die nicht bestellt werden, wird mit dem Code des Produkts auch die auf einen bestimmten Zeitraum bezogene Menge miteingegeben.
Diese Mengenangabe soll verhindern, dass mehr Waren, als für eine Person notwendig, mitgenommen werden. Diese Menge wird nicht allzu knapp bemessen sein, ist aber als Rationierung zu bezeichnen. Ein Mitglied wird beispielsweise einen Anspruch auf einen neuen Kühlschrank erst nach Ablauf von fünf Jahren haben. Damit wird verhindert, dass eine Person mehr als einen Kühlschrank innerhalb von fünf Jahren bezieht. Mit Familienkarten (Erwachsene plus Kinder) können bei gewissen Gütern größere Rationen in kürzeren Zeiträumen bezogen werden.
Alleine die Erwähnung der Chipkarte bewirkt eine harsche Ablehnung – mitunter des gesamten Modells. Damit wird „Kontrolle“ mit „Unterdrückung“ assoziiert – ganz im Sinne der Science Fiction Ideologie. Das Verstörende kann doch nicht an dem harmlosen Ding der Chipkarte liegen, sondern daran, welche Daten aufgenommen werden und wofür diese verwendet werden. Bei der oben beschriebenen Chipkarte werden Konsum- und Arbeitsdaten festgehalten und diese dienen zur Produktions- und Arbeitsplanung für die bedürfnisorientierte Versorgung. Wer die Karte mit einem Herrschaftsinstrument verwechselt, sollte sich das Verhältnis von Mittel und Zweck überlegen.


2 Antworten auf “7.3 Chipkarte”


  1. 1 syzygien 17. Juni 2012 um 19:45 Uhr

    Was mich bei der Chipkarte irritiert, ist das plötzlich von der Ebene der Beschreibung von Zielen und Anforderungen zur Ebene der Beschreibung einer technischen Lösung gewechselt wird ohne vorher klar die Problemstellung zu formulieren – so als wollte man sich davor drücken?
    Die Problemstellung ist doch, dass es einer organisierten Gewaltausübung bedarf, Personen daran zu hindern Güter in Anspruch zunehmen für deren in Anspruchnahme man (Wer ist hir man?) sie als nicht berechtigt hält. Diese Gewalt versteckt sich bei der „technischen“ Lösung eben hinter Mauern und Zugangssystemen und hinter den Mauern die notwendig sind Leute von der manipulation von Zugangssystemen abzuhalten.
    Und letztlich ist diese „Gewalt“ auch die Gewalt, die sich die Definitionshoheit für „Ist Berechtigt zum Zugriff auf…“ vorbehält

    Antwort von Alfred Fresin:

    Es ist richtig, dass hinter der „technischen“ Lösung die Gewalt lauert. Gewalt wäre dann nicht nötig, wenn diese Mitglieder der BVW, die nicht arbeiten wollen, freiwillig auf die Versorgung der Arbeitenden verzichten und sich mit der Grundversorgung zufrieden geben. Wenn nur wenige den Zusammenhang zwischen Arbeit und Verteilung der BVW nicht akzeptieren, dann wird mit solchen Leuten eine argumentative Auseinandersetzung zu führen sein und der soziale Druck seinen Beitrag zur Eindämmung leisten. Ist jedoch eine gößere Anzahl von Leuten nicht bereit, die unterschiedliche Verteilung (abhängig von der Arbeit) zu akzeptieren, so gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder das Verteilungssystem mit Gewalt aufrecht zu erhalten oder andere Lösungen des verteilungsspezifischen Zusammenhangs zwischen Arbeit und Verteilung zu suchen bzw. den Zusammenhang zwischen Arbeit und Verteilung überhaupt aufzulösen. Letzteres würde voraussetzen, dass es möglich ist, mit relativ wenig Arbeitenden eine bedürnisorientierte Versorgung für alle zu gewährleisten. Dies ist nicht auszuschließen, wenn man an die technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte denkt. Außerdem könnte auch eine Änderung der Arbeit selbst den Unterschied zwischen selbstbestimmter und fremdbestimmter Tätigkeit aufweichen.
    Marx hatte auf eine erste Phase des Kommunismus und eine höhere Phase des Kommunismus unterschieden – in letzterer gelte das Prinzip „jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ (siehe dazu auch weiter unten im Buch) – und wies auf „unvermeidbare Missstände“ in der ersten Phase hin (in der Kritik des Gothaer Programms) in der ein „Recht“ den Zusammenhang zwischen Arbeit und Verteilung in Geltung setze. Wie die Gewalt, die hinter dem Recht steht, ausgestattet sein könnte und wie rasch diese Phase, dh. der verteilungsspezifische Zusammenhang zwischen Arbeit und Verteilung, überwunden wird, bleibe dahingestellt.

  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 15. Dezember 2008 um 10:35 Uhr
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