3.1.2 Ökonomie

Jedes Mitglied der BVW ab einem gewissen Alter erhält eine Chipkarte, welche die relevanten Daten für die Arbeitsplatzzuweisung und Zuteilung der Güter enthält.

In der ersten Phase der Umgestaltung erscheint es sinnvoller, als Zuteilungsmodell ein Preismodell zu wählen, da die Abschaffung von Preisen, wie es das Stufenmodell vorsieht, eine schon gut und über einen längeren Zeitraum funktionierende BVW voraussetzt. Entscheidend ist, dass die Preise in der Produktion sofort abgeschafft werden, d.h. im Erstellungsprozess nur mehr technische Größen verwendet werden. Die Preise erfüllen nur mehr eine Funktion bei der Zuteilung an die „Letztverbraucher“:
Preise in der Übergangszeit sind allerdings weder als eine ökonomische noch als eine historische Notwendigkeit anzusehen – es spricht nichts außer der oben erwähnten pragmatischen Überlegungen dagegen, Preise sofort abzuschaffen.
Mit den Preisen ist somit noch eine Beschränkung des Zugriffs auf gesellschaftlichen Reichtum eingezogen, da die Produktion noch nicht die Stufe der Produktivität erreicht hat, um eine in allen Bereichen lückenlose Versorgung zu gewährleisten. Der Zusammenhang zwischen geleisteter Arbeitszeit und Anspruch auf den erarbeiteten Reichtum ist durch die Bewertung der Arbeitsstunden und der Festsetzung von Preisen für Konsumgüter und Leistungen für Letztverbraucher gegeben.
Jede Chipkarte wird bei ihrer ersten Vergabe mit einem Einstiegsbetrag versehen. Die Betragshöhe wird nicht nur von der zur Verfügung gestellten Arbeitszeit, sondern auch davon abhängig sein, ob Kinder mitzuversorgen sind oder nicht. Ältere (im Ruhestand Befindliche) erhalten den gleichen Betrag wie für die allgemeine Arbeitszeit vorgesehen (z.B. 30 Stunden in der Woche).
Zusätzlich könnte noch das (enteignete) Vermögen (Betriebs- und Wohnungseigentum) mit einem Schlüssel mitberücksichtigt werden, um vermögende Bürger in gewisser Weise abzufinden und ihre Widerstände in Grenzen zu halten.
Nur die Chipkarte gewährt den Zugriff auf Produkte und Leistungen der Gesellschaft. Das in der Marktwirtschaft umlaufende Geld wird eingezogen, die Bankkonten werden gelöscht.
Höherpreisige Versorgungsleistungen (z.B. Beschaffung eines neuen PKWs) sind, sofern nicht abgedeckt, als Kredit von der Chipkarte abzubuchen. Die Kredithöhe ist begrenzt, der Kredit ist sukzessive „abzuarbeiten“. Die Einräumung von Krediten ist nur auf die erste Phase beschränkt.
Weitere Zubuchung von Beträgen auf die Chipkarte werden dann gemäß geleisteter Arbeitszeit (siehe Kapitel „Grundriss einer BVW / Arbeitsbewertung“) vorgenommen.

Nur in den ersten Monaten werden die marktwirtschaftlichen Preise der Waren als Verrechnungspreise beibehalten. Danach werden diese durch Arbeitszeitpreise (siehe Kapitel „Grundriss einer BVW / Geldzirkulations-Preismodell“) ersetzt, wobei einige Produkte der Grundversorgung auch unter dem Arbeitszeitverrechnungspreis zugeteilt werden, Preise der Sonderversorgung darüber liegen könnten („politische Preise“).
Wohnungen werden in Kategorien eingeteilt – für die unterste Kategorie ist keine Miete zu verrechnen, für eine bessere Kategorie eine geringe Miete, für die noch bessere Kategorie eine etwas höhere Miete. Strom- und Gaspreise bleiben vorerst bestehen, werden aber relativ zu den gesamten Lebenshaltungskosten gesenkt.

Abgesehen von den Gütern des täglichen Bedarfs und gewissen Dienstleistungen (z.B. Reparaturen) werden die benötigten Güter mit der Chipkarte vorbestellt.

Mit der Ausgabe der Chipkarten und dem Einzug des Geldes wird auch das Privateigentum an den Produktionsmitteln und an Grund und Boden abgeschafft. Die Verfügung darüber erhalten die jeweiligen Komitees.
Es werden vorweg Branchenkomitees mit entsprechenden Unterabteilungen (z.B. Bekleidung / Schuhe) gebildet, die eine Gesamtübersicht der in der BVW bestehenden Betriebe, deren technische Kapazitäten, Arbeitsplätze und Lieferanten erstellen. Daraus wird die vorerst mögliche (geplante) Produktionsmenge errechnet und festgelegt. Die Planung der zu erstellenden Gebrauchswerte wird sich in der allerersten Periode des Übergangs an den vorhandenen Produktionskapazitäten zu orientieren haben

Die Betriebe beliefern einander nach den vorgegebenen Planzahlen und ohne Verrechnung. Wie schon erwähnt, bedeutet das die sofortige Abschaffung von Preisen, Kosten und Löhnen in der Produktion und Leistungserstellung.

Betriebe einer Branche werden bei der Planung jeweils zu einer Planungseinheit zusammengefasst.

Schon in der ersten Phase der Umgestaltung sind gewisse Produkte aus der Produktion auszuscheiden und andere zu forcieren.

Werkstätten und Dienstleistungsunternehmen (wie z.B. Elektroinstallateure) werden in einer Region zu einem Verbund zusammengefasst, innerhalb dessen Aufträge je nach vorhandenen Kapazitäten verteilt werden. Die geleisteten Stunden und die Abbuchung auf der Chipkarte des Konsumenten sind an das Planungs- und Verteilungskomitee weiterzuleiten.

Kleine landwirtschaftliche Betriebe sind zusammenzulegen, um eine effektive Produktion zu ermöglichen.
In Regionen, welche diese effektive Produktion nicht zulassen, werden die Landwirte als Landschaftspfleger tätig.

Die Zuteilungsstellen (für Waren) werden regional, also für die Konsumenten leicht erreichbar, eingerichtet.
Das bedeutet z.B. die Einrichtung eines zentral gelegenen Zuteilungslagers für Schuhe für eine Region oder einen Bezirk. Die gewünschten Güter werden bestellt und abgeholt. In gewissen Regionen und für ältere Menschen werden mobile Lager eingesetzt bzw. Hauszustellungen organisiert.
Nur größere Supermärkte aus den Zeiten der Marktwirtschaft bleiben bestehen. Alle kleinen marktwirtschaftlichen Handelsstellen werden aufgelassen.

Selbst bei der Umsetzung der BVW in einer großen und relativ autarken Region werden gewisse Produkte aus dem marktwirtschaftlichen Ausland zu beschaffen sein (falls dieses das zulässt). Es ist also notwendig, einen Teil der Produkte dem Export zur Verfügung zu stellen, um zu verkaufen bzw. Devisen zu erlangen, mit denen die Importe bezahlt werden.
Um die Abhängigkeiten gegenüber Nicht-BVW-Ländern zu minimieren, sollte alles unternommen werden, um so viele Güter wie möglich in der BVW-Region herzustellen.


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  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:00 Uhr
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