12.1 Erstes Beispiel: Anerkennung der Person

Einer moralischen Grundhaltung in der marktwirtschaftlichen Demokratie begegnet man im täglichen Leben ständig. Diese gilt als Ausweis von Tugendhaftigkeit bzw. „Menschlichkeit“: den anderen Menschen stets ungeachtet seiner sozialen Stellung, seiner Hautfarbe, seiner Herkunft mit Respekt zu behandeln und ihn als „Mensch“ anzuerkennen. Den Ursprung hat diese moralische Haltung im Rechtssystem der marktwirtschaftlichen Demokratie, welche die Person ungeachtet ihrer besonderen Eigenschaften als gleich vor dem Recht erachtet: Jeder Staatsbürger hat prinzipiell die gleichen Rechte und Pflichten. Der rechtschaffene demokratische Charakter lässt den bedeutenden, reichen, erfolgreichen, mächtigen als auch den unbedeutenderen, ärmeren etc. Personen seine Anerkennung zukommen, ob das nun im Grüßen, im Austausch von ein paar freundlichen Worten oder anderen Höflichkeiten besteht – moralisch gesehen gehört sich das. Die sich in dieser Gesellschaft tatsächlich ergebenden Ungleichheiten werden mit diesem Anspruch kompensiert und kaschiert, jedoch dadurch nicht aufgehoben.
Wie das bei moralischen Ansprüchen so ist, werden diese von den Bürgern nicht ständig durchgehalten. Sympathien, Ressentiments, Karrieredenken, geschäftliche Interessen bestimmen den Umgang der Bürger miteinander. So gibt es auch viele Beleidigte, die Verletzungen des Anstands ihnen gegenüber als persönlichen Angriff auf ihre Person und als Unrecht erachten. Gepaart mit tatsächlichen Misserfolgen kann dies bei den Beleidigten zu psychischen Erkrankungen führen, wenn sie zum Urteil gelangen, Versager zu sein, die zu Recht von anderen mies behandelt werden.

Die Anerkennung der Person als Rechtstitel und moralische Haltung wird in einer Gesellschaft, in der ökonomische Interessengegensätze und Konkurrenz entfallen, weder als Rechtstitel noch als moralische Haltung Bedeutung im Umgang der Menschen untereinander erlangen. Die Haltung zu den Mitmenschen ändert sich insofern, da ihnen diese nicht als Rechtspersonen gegenübertreten, sondern als Mitgestalter der Versorgungswirtschaft. Der Mitmensch erscheint nicht als Konkurrent. Das Mitglied wird, wenn überhaupt, hinsichtlich seines Wissens und Könnens, seines Wirkens in der Versorgungsgemeinschaft beurteilt. Dabei erübrigen sich Gesichtspunkte wie Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht etc. Da kann es dann durchaus sein, dass BVW Mitglieder, die bei dieser Beurteilung schlecht abschneiden, von den anderen scheel angesehen werden. Nicht nur das, sondern die Kritik wird auch ausgesprochen werden.

Freundlichkeit und Entgegenkommen werden in der BVW nicht aussterben – im Gegenteil, nachdem viele Gründe für Feindschaften entfallen sind.


1 Antwort auf “12.1 Erstes Beispiel: Anerkennung der Person”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft (BVW) statt Kapitalismus Pingback am 06. November 2011 um 19:19 Uhr
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