11.1 Die (politischen) Gremien

In der BVW geht es um die Organisation und Sicherung der Versorgung. Verantwortlich dafür sind verschiedene Komitees, Ausschüsse, Versammlungen.
Die „Politik“ der Komitees und anderen Gremien besteht in der Erarbeitung von Entscheidungen und der Kontrolle der Unsetzung der Planungsvorgaben. Da gegensätzliche ökonomische Interessen keine Grundlage mehr haben, also alle einen gemeinsamen ökonomischen Zweck verfolgen, bedarf es keiner Macht, die diesen Zweck mit Gesetzen durchsetzen müsste. (Erinnert sei an das Beispiel des Freundeskreises, der gemeinsame Aktivitäten unternimmt.)

Die Beteiligung der Mitglieder der BVW an der „Politik“ findet in den Komitees, Ausschüssen, Informationsmedien und Versammlungen statt.
Die einzelnen Planungs-, Arbeits- und Kulturabteilungen können bezüglich Entscheidungen und Kontrolle auf drei Säulen ruhen: Komitees, Ausschüsse und Diskussion in größerem Rahmen, z.B. auf Versammlungen – wobei Einigungen auf argumentativer Basis erfolgen und bei schwierigen Entscheidungen auch Abstimmungen stattfinden.

Die Komitees der verschiedenen Bereiche der BVW-Gesellschaft werden mit Fachleuten besetzt, die Vorschläge unterbreiten, organisatorische Maßnahmen in die Wege leiten und kontrollieren, letztlich auch Entscheidungen treffen.
Die Entscheidungsorgane in den verschiedenen Gremien werden aufgrund ihrer fachlichen Eignung von Ausschüssen ausgewählt und eingesetzt.
Es sei nochmals darauf hingewiesen, die Komitees mit ihren Entscheidungen nicht mit der Staatsgewalt der Marktwirtschaft zu verwechseln. Die Komitees haben die Entscheidungsbefugnis in vielen Belangen, aber letztlich nicht die Macht bzw. Gewalt, die Entscheidungen gegen die Interessen der Mitglieder der BVW durchzusetzen. Die Komiteemitglieder werden von anderen Instanzen gemäß der Erfüllung ihrer Aufgaben beurteilt und dementsprechend ein- oder abgesetzt.
Die Ausschüsse sind die Kontrollorgane der Komitees und können mit Personen nach verschiedensten Kriterien (z.B. Alter, Geschlecht, Single / Familie etc.) besetzt werden. Dies nicht, um gegensätzliche Interessen für das „Gemeinwohl“ zu vergattern, sondern verschiedenen Interessen die Darlegung und Berücksichtigung zu ermöglichen. (Man könnte problematisieren, ob die oben angeführten Kriterien sinnvoll sind. Bei einigen Entscheidungen, etwa bezüglich der Gebrauchswerteigenschaften neuer Produkte, könnte dies der Fall sein, bei technischen Fragestellungen werden Alter und Geschlecht wohl keine Rolle spielen. Die sinnvolle Zusammensetzung der Ausschüsse mögen die Mitglieder der neuen Gesellschaft durchdiskutieren.)
Die Ausschussmitglieder sind in Bereichen tätig, die in die Kompetenz des jeweiligen Komitees fällt. Sie können sich in die Tätigkeit des Komitees einmischen, indem sie Vorschläge kritisieren, neue einbringen, neue Fachleute in die Gremien optieren. Ihre Beteiligung in den Ausschüssen wird als Arbeitszeit behandelt.
Wie die Ausschussmitglieder bestimmt werden, soll hier nur angedeutet werden. Möglich wären ein Zufallsverfahren (bezogen auf fachlich geeignete Personen), Interessenten- bzw. Vorschlagslisten oder Betriebsnominierungen (Betriebsabgeordnete). In jedem Fall sollten die Ausschussmitglieder Wissen hinsichtlich des zu verwaltenden Fachgebiets haben.

Die Besetzungen von Komitees und Ausschüssen sind zeitlich befristet, um gewisse Einseitigkeiten zu verhindern. Diese zeitliche Befristung wird allerdings bei Positionen nicht angebracht sein, die Erfahrung und Kontinuität erfordern.
Abstimmungen mit Mehrheitsentscheid werden bei Diskussionen nur dann notwendig sein, wenn keine argumentative Einigung erzielt werden kann.
Es wäre ineffektiv, jede Planungsentscheidung einer Diskussion zu unterwerfen. Viele Entscheidungen werden eigenverantwortlich von den betreffenden Spezialisten in den Komitees zu treffen sein, was eine eventuelle nachträgliche Kritik der Ausschüsse nicht verhindern wird.

Jedes BVW-Mitglied kann sich überdies in den Informationsmedien und bei den regelmäßig stattfindenden Versammlungen der einzelnen Abteilungen in die Diskussion einmischen. Anregungen und Kritik werden willkommen sein.
Grundlegende Entscheidungen können in Versammlungen diskutiert und abgestimmt und müssen in Ausschüssen bzw. Komitees berücksichtigt werden.

Für einige Kritiker des Buches ist die Darstellung der Entscheidungsfindung und Beschlussumsetzung zu wenig ausführlich geraten und einige halten diese politische Organisation für naiv – es würden sich wieder Hierarchien bilden und Streitereien auftreten etc.
Ich finde, dass dieser Teil eher zu ausführlich geraten ist, da er zu viel vorgibt. Leute, die sich für einen gemeinsamen Zweck organisieren, haben wahrscheinlich auch gute (bzw. bessere) Ideen, wie sie miteinander Kommunizieren, um diesen Zweck zu erreichen. Es ist auch nicht das Kernstück des Modells, mit dem alles steht oder fällt.
Gegen Hierarchien wäre doch auch nichts einzuwenden, wenn sie auf Sachkenntnis beruhen und im Sinne einer menschenfreundlichen Ökonomie tätig wären.
Streitereien würde es in einer BVW auch geben – der Unterschied ums Ganze wäre nur, wie diese ausgetragen werden. Ob Gewalt wirklich das entscheidende „Argument“ in dieser Gesellschaft sein soll, hängt wohl von ihren Mitgliedern ab. Notwendig ist sie für den Bestand dieser Ökonomie jedenfalls nicht. (Hinsichtlich des üblichen Arguments bezüglich der „aggressiven Menschennatur“ siehe Kapitel „Homo homini lupus“)


1 Antwort auf “11.1 Die (politischen) Gremien”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 15. Dezember 2008 um 10:52 Uhr
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