10 Umwelt

Es dauerte eine Weile, bis sich der bürgerliche Staat den Auswirkungen der marktwirtschaftlichen Naturnutzung annahm. Erst als immer deutlicher wurde, dass der rücksichtslose Umgang mit der Natur beträchtliche Schädigungen an dieser hervorrief, wurde der Begriff „Umweltbewusstsein“ eingeführt.
Diejenigen, die ihre Geschäfte mit und unter Ausnutzung der Natur betreiben, kommen nicht auf die Idee, diese Geschäfte an der Rücksichtnahme auf die Natur zu relativieren. Unternehmer denken kurzfristig und klarerweise „egoistisch“ – das erfordert die marktwirtschaftliche Logik. Lehnten einige ein Geschäft aus moralischen Gründen ab, so würden das Geschäft bestimmt andere machen. Bedachtnahme auf die Umwelt bedeutet verpassten Profit, erhöhte Kosten (für Umweltschutzmaßnahmen), also einen Konkurrenznachteil bzw. eine Schmälerung des Profits. Der bürgerliche Staat hat prinzipiell nichts gegen diese Logik – er ist an Profiten seiner Unternehmer interessiert; doch wenn diese ihre Geschäfte selbst langfristig untergraben, indem sie die Natur schädigen und einiges davon unwiederbringlich zerstören, letztlich auch die Gesundheit der Bevölkerung so gefährden, dass die gesamte Wirtschaft und das Staatsbudget darunter leiden, kann dies dem Staat nicht mehr egal sein. Dieser setzt dann Maßnahmen, die aber eines nicht verhindern sollen, nämlich profitable Geschäfte. Dementsprechend sehen die Maßnahmen auch aus: Wo Abschaffung angebracht wäre, werden Grenzwerte festgesetzt, statt von Beseitigung wird von Eindämmung gesprochen.
Die nach der Energiekrise einsetzende rege Diskussion über alternative Energien führte zumindest zu einem bleibenden Ergebnis: Als Alternative wurden Atomkraftwerke installiert. Solarenergie und andere Möglichkeiten wurden nie ernsthaft als Alternative forciert. Ökonomische Interessen der Energiemultis, die angebliche Billigkeit deren Energieangebote im Vergleich zu anderen Energiequellen und staatliche Interessen sind die nie verleugneten Gründe der Verhinderung einer umfassenden umweltschonenden Energiegewinnung in der Marktwirtschaft.

Was sollte in der BVW gegen einen vernünftigen Umgang mit Natur sprechen? Die Verwertungslogik der Marktwirtschaft ist außer Kraft gesetzt. Gesellschaftliche Planung der Arbeit und Versorgung ist das Prinzip dieser Gesellschaft. Dabei wird auch auf die Natur zu achten sein. Dies bedeutet nicht, von Eingriffen in die Natur oder ihrer Umgestaltung abzulassen, sondern diese ohne dauerhaften Schaden für Mensch und Umwelt zu nutzen und zu gestalten.
Sicher wird es in der BVW Diskussionen über die Umweltverträglichkeit einiger Güterherstellungsverfahren geben. Aufgegeben wird die entsprechende Versorgungsleistung dann, wenn mit deren Erbringung die Umwelt nachhaltig beschädigt oder zerstört wird, und dadurch auch Schädigungen der Lebensqualität eintreten. „Umweltfreundliche“ Herstellungsalternativen sind zu überlegen – das Scheitern von Alternativen aufgrund zu hoher Kosten ist jedenfalls in der BVW auszuschließen.
Mensch und Umwelt schonende Energiegewinnungsmethoden, die in der Marktwirtschaft aus Kostengründen keine Chance haben, werden in der BVW forciert und mit der Zeit die riskante Atomenergie und auch Erdöl ersetzen.
Betriebe, Verkehrsmittel und Haushalte sind mit einer umweltschonenden Technologie auszustatten. Dabei hat die Gesundheit der BVW-Mitglieder als eines der wichtigsten Kriterien dieser neuen Gesellschaft im Vordergrund zu stehen. Die „Umwelt“ darf nicht zum Gesundheitsrisiko werden – sondern im Gegenteil, diese soll gesundheitsfördernder Bestandteil der Reproduktion und Rekreation der Menschen sein.
Die Produktion gewisser Güter, wie z.B. von Überschallflugzeugen, kann unterbleiben, da die Versorgung dadurch negativ beeinträchtigt wird. Verkehrsmittel sind mit alternativen Antriebsenergien auszustatten. Auch in dieser Hinsicht wird die Wissenschaft in der BVW ihren Teil zu leisten haben. Raumfahrtprogramme, die Entwicklung immer raffinierterer Waffensysteme, Nahrungsmittel- und Pharmachemielabors binden in der Marktwirtschaft wissenschaftliche Kräfte, welche in der BVW die Bereiche Gesundheit und Umwelt mit neuen Erkenntnissen und der Entwicklung menschenfreundlicher Technologie versorgen werden.
Raumplanungskonzepte werden darin bestehen, die marktwirtschaftlichen Ballungszentren aufzulösen und Landgegenden, nicht nur für den Urlaub, sondern als ständigen Lebensraum (wieder) zu erschließen. Dabei sind allerdings Teile der Landschaft als solche zu erhalten, also nicht zu bebauen und der Obhut von Landschaftspflegern übergeben.


1 Antwort auf “10 Umwelt”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:22 Uhr
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