6.6.6 Resümee Zuteilungsmodelle

Im Hinblick auf die schwerwiegenden Schwachstellen und der Gefährdung des Versorgungszwecks sollte das Geldzirkulationsmodell als langfristig anzustrebendes Zuteilungsmodell nicht gewählt werden. Mehr schlecht als recht funktionieren könnte es mit Ausübung staatlicher Gebote und Verbote, eben staatlicher Gewalt. Ein Anschauungsbeispiel dieser Art von Geldökonomie bot die Zentralverwaltungswirtschaft, bzw. der „Reale Sozialismus“ der Sowjetunion, zu der noch weiter unten ausführlich Stellung genommen wird.

Das Mehrstufenmodell würde aufgrund der oben angesprochenen Schwächen in der Praxis kaum bestehen können. Es könnte, wenn das Arbeitsgeldmodell als Zielmodell gewählt wird, als weitere Ausbaustufe angestrebt werden, wobei zweifelhaft ist, ob dadurch der Versorgungszweck besser erfüllt werden kann.

Die anderen drei Modelle, Arbeitsgeld-, Fixkredit- und schließlich das ausführlich besprochene Dreistufenmodell, vermeiden die Schwächen der beiden vorher genannten Modelle. Die Frage ist, in welcher Weise sie den Kriterien der BVW gerecht werden können.
Zusammenfassend seien nochmals die Zuteilungskriterien der drei Modelle beschrieben und kritisiert:
Beim Dreistufenmodell (Grundversorgung, Allgemeine Versorgung, Sonderversorgung) wird an den Gebrauchwerten selbst die Auslese getroffen, die jemand erhält, der soundso viel Arbeitszeit geleistet hat.
Beim diesem Modell besteht das „Problematische“ hinsichtlich der Versorgung darin, dass eine politökonomische Entscheidung getroffen werden muss, welche Gebrauchgüter den einzelnen Stufen zugeordnet werden. Die Beschränkung der individuellen Versorgung bemisst sich (für „Normalarbeitende“) alleine an den zur Verfügung stehenden Gebrauchswerten. Diese können nur durch eine sehr produktive Ökonomie in ausreichendem Maße – gemäß den Ansprüchen der BVW – der Gesellschaft verfügbar gemacht werden.
Bei den Preismodellen wird die Auslese durch die Preise und das Geldeinkommen bestimmt, da sich der Konsument sein Geld einzuteilen hat und durch sein Einkommen beschränkt ist:
Beim Arbeitsgeldmodell ergeben sich das Einkommen und damit die individuelle Versorgung aus der Geldbewertung der Arbeitsstunde und der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden. Die Preise der Güter stellen eine Beschränkung der individuellen Versorgung dar, da sich das Einkommen an diesen relativiert. Es kommt aber auch auf die Preisbestimmung selbst an. Wenn diese sich an den im Gut bzw. der Leistung steckenden Arbeitsstunden bemisst und dafür der gleiche Stundensatz wie bei der „Bezahlung“ der Arbeitsstunde genommen wird, ist damit eine feste Relation zwischen Arbeitsstundenleistung und Konsumation hergestellt. Diese feste Relation kann nur zugunsten der Konsumation verändert werden, wenn die Güter und Leistungen in der gleichen oder besseren Qualität in kürzerer Arbeitszeit hergestellt werden (Stichwort Produktivität).
Die Versorgung beim Fixkreditmodell steht und fällt mit der Höhe des vergebenen Fixeinkommens. Daran bemisst sich die individuelle Versorgung. Für die Preise gilt das gleiche, wie beim Arbeitsgeldmodell. Eine Relation zur geleisteten Arbeit kann dadurch hergestellt werden, dass für die Gewährung des Kredits, je nach Art der Tätigkeit unterschiedlich lang gearbeitet werden muss. Es könnten auch unterschiedliche Kreditkarten für Nichtarbeitende, „Normalarbeitende“ und besonders intensiv und schwer Arbeitende ausgegeben werden, was dem Dreistufenmodell schon nahe kommt. Der Unterschied zum Dreistufenmodell wäre der, dass mit den Preisen eine Beschränkung in der Versorgung eingezogen wäre.

Abschließend lässt sich festhalten, dass eine Ökonomie, die Gebrauchsgüter bezüglich Qualität und Menge noch nicht für alle ausreichend zur Verfügung stellen kann (z.B. schöne gut gelegene Wohnungen), also in der es noch stärkere Beschränkungen der Zuteilung gibt, auf das Arbeitsgeldmodell oder das Fixkreditmodell verwiesen sein wird.
Hat die gesellschaftliche Produktion eine Stufe erreicht, bei der gewisse Beschränkungen der Zuteilung wegfallen können (was möglichst rasch gelingen sollte), dann bietet sich das Dreistufenmodell der Versorgung an.
Das Modell „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ in der es keinen Zusammenhang zwischen Arbeitsleistung und Zuteilung gibt, streift dann den letzten Rest der alten Gesellschaft ab. Langfristig ist diese Vorstellung anzustreben, kurz- und mittelfristig wird sie allerdings nicht umzusetzen sein.


1 Antwort auf “6.6.6 Resümee Zuteilungsmodelle”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft (BVW) statt Kapitalismus Pingback am 18. Dezember 2008 um 11:26 Uhr
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