6.6.3 Fixkreditmodell

Dieses Zuteilungsmodell findet sich in Edward Bellamys Roman „Looking Backward“ (erschienen in Boston 1888). (Im Kapitel „Die alternative Gesellschaft als Utopie“ wird auf dieses Gesellschaftsmodell näher eingegangen. An dieser Stelle soll nur das Zuteilungsmodell kurz dargestellt und kritisiert werden.)
Alle Arbeitenden erhalten eine „Kreditkarte“ mit der gleichen Anzahl von Einheiten. Diese Einheiten beziehen sich auf den Jahreskonsum (und sind „reichlich bemessen“). Die Güter sind mit Preisen (Einheiten) versehen, die bei den Massengütern auf Basis der enthaltenen Arbeitsstunden berechnet werden. Bei Spezialgütern, welche knapp sind, wird der Preis mit einem Preiszuschlag erhöht.
Der hauptsächliche Unterschied zum oben dargestellten Arbeitsgeldmodell besteht darin, dass jeder unabhängig von seiner Arbeitsleistung den gleichen wertmäßigen Anspruch (Kredit) auf die Güter der Gesellschaft hat. Jedem obliegt es dann, welche Güter er (im Rahmen seines Kredits) für seine Bedürfnisdeckung auswählt.
Bellamy geht davon aus, dass alle arbeiten werden und wollen. Die Arbeitszeiten werden durch die Schwere der Arbeit (je schwieriger, anstrengender etc., umso kürzer) und das Interesse an gewissen Arbeiten bestimmt (je weniger Interesse, umso kürzer die Arbeitszeit, um Interessenten dafür zu gewinnen). Es wird davon ausgegangen, dass jeder sein Bestes gibt („soziale Ehre und Patriotismus gebieten es allen, ihr Bestes zu geben“). Die unterschiedlichen Arbeitsergebnisse werden keiner Bewertung unterzogen, allein der Arbeitseinsatz zählt als Anspruch auf die Kreditkarte.
Werden jährlich mehr Einheiten verbraucht als durch die Kreditkarte vorgegeben, wird dies als Kredit bei der Kreditkarte des folgenden Jahres abgebucht und dadurch der Wert (der Einheiten) vermindert.
Auch diesem Modell seien ein paar kritische Anmerkungen beigefügt:
- Die Preisbestimmung muss auch in diesem Modell vorgenommen werden.
- Gegenüber dem Arbeitsgeldmodell hätte es allerdings den Vorteil, dass die Beschränkung über den Preis, das Haushalten und Sparen der Konsumenten entschärft ist – und zwar bei „reichlicher Bemessung des Gesamtkreditkartenwertes“. Ist der Kreditkartenwert nicht so reichlich bemessen, bleibt die Einschränkung des Konsums erhalten. Diese steht und fällt mit der Höhe des Gesamtkreditkartenwertes.
- Ein Zusammenhang zwischen Arbeitsleistung und Konsum scheint nicht gegeben zu sein. Bellamy setzt voraus, dass alle „ihr Bestes geben“ und gemäß den Anforderungen arbeiten, weil es die Moral gebietet, sich für die Gesellschaft einzusetzen, und die soziale Anerkennung vor allem durch die Arbeit erfolgt. Nicht das materielle Eigeninteresse der Leute wird hier als Motiv angegeben, sondern ein übergeordneter Standpunkt einer sozialen Moral („Pflicht“). Unterstützt wird diese durch Orden und Beförderungen für gute Arbeit und „Isolierhaft bei Wasser und Brot“ für bewusst schlechte Arbeit oder Arbeitsverweigerung.
Ein Zusammenhang zwischen Arbeitsleistung und Kreditkartenwert könnte insofern hergestellt werden, dass Leute , die nicht arbeiten wollen eine wertmäßig geringere Wertkarte, diejenigen, die länger oder härter arbeiten, einen höheren Wert zur Verfügung gestellt bekommen – bewusst schlechte Arbeit bzw. gute Arbeit wird mit Abzügen bzw. Bonifikationen bewertet.


1 Antwort auf “6.6.3 Fixkreditmodell”


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