6.6.2 Arbeitsgeldmodell

Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, die oben dargestellte Bezahlung der geleisteten Arbeitszeit und eine Preisfestsetzung für Letztverbrauchergüter beizubehalten, aber eine weitere Zirkulation des Geldes zu unterbinden. Die Produktion und Leistungserstellung erfolgt aufgrund von Planzahlen und Zuweisung von benötigten Materialien, Gütern und Leistungen – die Unternehmen rechnen untereinander nicht in Geld ab. Die Preisbildung beschränkt sich auf die Güter, welche die Arbeitenden benötigen. Es wäre eine Relation zwischen geleisteter Arbeitszeit und Konsummöglichkeit hergestellt. Die im obigen Modell geltende Wertrelation zwischen geleisteter Arbeitszeit und Zugriff auf erarbeiteten Reichtum würde somit auch hier gelten.
Dies hätte den Vorteil gegenüber dem Geldzirkulationsmodell, dass Produktion und Leistungserstellung unabhängig von Geldrückflüssen ablaufen, also von diesem Hemmschuh befreit wären und der Kostengesichtspunkt in Betrieben auch keine Grundlage hätte.
Das Arbeitsgeld wird nicht als materiell vorhandenes Geld (Papiergeld und Münzen) verwendet, sondern wird nur als Abbuchung der jeweiligen Arbeitseinheiten bzw. Konsumeinheiten auf der Chipkarte vorgenommen, jede Chipkarte ist also gleichzeitig ein Arbeits-Konsumkonto. Älteren Menschen, die weniger bzw. nicht mehr arbeiten, müsste eine Art Rente – in Form einer Spezialversorgungskarte – gezahlt werden. Nichtarbeitende erhalten eine „Nichtarbeitskarte“, die einen Betrag ausreichend für ein bescheidenes Leben aufweist.
Folgendes ist kritisch zu beurteilen:
- Die Versorgung jedes BVW-Mitglieds relativiert sich nicht nur an den jeweils geleisteten Arbeitsstunden, sondern auch an den vorgegebenen Preisen. Die Versorgung ist keine Zuteilung, sondern ein Arbeitsstunden“tausch“. Der Konsument muss haushalten, sich seine Versorgung einteilen. Ist damit eine ebenso gute Versorgungslage der Bevölkerung zu erreichen wie bei dem Güterzuteilungsmodell? Ist nicht mit den Preisen in Relation zu den Arbeitsstunden eine Einschränkung der Versorgung installiert? Viele mögen gerade dies als Vorteil des Arbeitsgeld-Preismodells erachten. Ist der Zweck die bestmögliche Versorgung, mag dieser „Vorteil“ allerdings zu bezweifeln sein.
- Für teurere Güter müssten die Konsumenten sparen bzw. Kredite aufnehmen. Es ergibt sich die Frage, ob Kredite überhaupt zugelassen werden sollen. Wenn ja, dann wäre der Kredit durch jeweilige Abzüge von geleisteten Arbeitsstunden „zurückzuzahlen“.
- Die Preisbestimmung bei Mieten fällt schwer, ebenso bei Gesundheitsdiensten. Die Frage ist, ob dafür überhaupt zu zahlen ist.
- Die Planbarkeit der Arbeitsstunden wird insofern schwieriger, da das Interesse der Arbeitenden, Arbeitsstunden zu erarbeiten, sich an den jeweiligen Konsuminteressen orientiert und sehr schwankend ausfallen wird.
- Auch bei diesem Modell würde die Preisbestimmung zusätzliche organisatorische und technische Maßnahmen erfordern.


1 Antwort auf “6.6.2 Arbeitsgeldmodell”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 15. Dezember 2008 um 11:07 Uhr
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