6.3 Angenehme Arbeitsbedingungen

Befreit von der Kalkulation der Arbeitskraft als Kostenfaktor, befreit vom Druck der Preiskonkurrenz und dem Kampf um Profite, kann auch die Arbeit im Hinblick auf menschliche Bedürfnisse gestaltet werden.
Erstens bedeutet dies, bei den Arbeitsbedingungen auf die psychische und physiologische Gesundheit der Arbeitenden zu achten. Sie hat Vorrang bei allen Veränderungen der Arbeitsprozesse.
Arbeitsbedingungen haben sich in der Marktwirtschaft an Kosten (Rentabilität) und gesetzlichen Bestimmungen zu relativieren. Letztere reduzieren den allzu ruinösen Gebrauch von Arbeitskräften (siehe Kapitel „Der staatliche Umgang mit der Marktwirtschaft und deren Elend / Menschenfreundlichere Marktwirtschaft“). Die gesetzlichen Bestimmungen beziehen sich nur auf die gröbsten Formen schädigender Ausbeutung und erfreuen sich dennoch häufiger Missachtung.
Bezeichnend ist, dass Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz als“ angenehm“ bezeichnen, verdächtigt werden, nicht hart genug zu arbeiten oder in einem schlecht geführten Betrieb angestellt zu sein.

Zweitens wird es ein langfristiges Ziel der BVW sein, die Arbeitszeit auf etwa 5, 4 oder 3 Stunden täglich, bzw. auf 15 bis 25 Stunden wöchentlich zu reduzieren (je nach Erfordernis der Gebrauchswertproduktion). Auch wenn die Senkung der Arbeitszeit nur schrittweise vollzogen werden kann, so wird langfristig darauf abzuzielen sein, die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit für die einzelnen Arbeitenden auf eine Stundenzahl zu senken, die sowohl verhindert, dass die Arbeit auslaugend wirkt und die Arbeitenden die Gesundheit schädigt, als auch genügend Zeit für die Genüsse des Lebens übrig lässt.
Dieser Gesichtspunkt kann kein Anliegen in der Marktwirtschaft sein. Ein marktwirtschaftliches Unternehmen will seine Arbeitskräfte so lange wie möglich und so billig wie möglich ausnützen. Viele Arbeitnehmer müssen 40 Stunden und noch mehr in der Woche arbeiten, um ihre Familie mit dem bezahlten Lohn erhalten zu können. Die so genannten Teilzeitarbeitsplätze bieten häufig einen Verdienst, der gerade fürs Überleben reicht – und oft nicht mal das, vor allem wenn eine Familie zu erhalten ist („working poor“).
Wenn ein Betrieb „Kurzarbeit“ ansagt, überwiegt dann bei den Arbeitskräften wahrscheinlich nicht die Freude über die gewonnene Freizeit, sondern die Sorge um die Zukunft des Arbeitsplatzes und wie man mit dem verringerten Verdienst auskommt.

In der BVW wird auch darauf zu achten sein, dass innerhalb eines Fachbereiches eine ständige Rotation der Arbeiten und des Personals stattfindet, die Arbeitenden also nicht ständig die gleichen Tätigkeiten vollziehen.