6.2 Planung der Arbeit

Die Betriebswirtschaft der Marktwirtschaft und deren Anwender in der betrieblichen Praxis beschäftigen sich u.a. damit, wie die Arbeitskräfte in einem Betrieb möglichst rentabel eingesetzt werden können. Das bedeutet, dass der Arbeitseinsatz vom Betrieb berechnet und in gewisser Weise auch geplant wird – allerdings auch nur kurz- bis mittelfristig. Man weiß ja nie, wie sich die Auftragslage, wie sich Umsätze und Profite entwickeln.
Gesamtgesellschaftlich gesehen kann von einer Arbeitskräfteplanung nicht die Rede sein. Arbeitskräfte werden je nach Bedarf der einzelnen Betriebe, je nach Befindlichkeit der Wirtschaft (Konjunktur) eingestellt und freigesetzt. Die Bereitstellung von Arbeit funktioniert als Markt und eine Planung dieses Marktes wäre ein Widerspruch in sich.
Unangenehm ist dies für die Arbeitenden und deren Familien, die vom Lohn leben müssen. Eine Sicherheit bezüglich Arbeitsplatz und Einkommen gibt es nicht. Die Sorgen um die zukünftige Lebenserhaltung und -gestaltung begleiten die meisten Menschen ihr Leben lang.

Der Zweck der Arbeit und damit des Einsatzes der Arbeitskräfte in der BVW besteht, wie schon erwähnt, darin, für die Versorgung der Gesellschaft eingesetzt zu werden. Es liegt nahe, Arbeitskräfte je nach den Erfordernissen des Produktions- bzw. Leistungserstellungsprozesses einzusetzen. Diese Erfordernisse ergeben sich aufgrund der Produkt(plan)zahlen und der technischen Daten der Arbeitsprozesse. Arbeitsinhalte und Zeitausmaß der Arbeit sind die Parameter für die Zuteilung von Arbeitskräften.
Diese Zuteilung ist Aufgabe der Branchenkomitees, denen Arbeitskomitees angegliedert sein können.
Als Beispiel: Die geplante Produktion von 10 Mio. Paar Winterschuhen für die Region Mitteleuropa erfordert pro Jahr n1 Stunden Arbeitszeit und n2 Arbeitskräfte. Jede Erhöhung oder Senkung der Planzahlen verändert dann auch in einem bestimmten errechenbaren Verhältnis die Anzahl der benötigten Arbeitskräfte.

Die für die Zuteilung in Frage kommenden Arbeitskräfte werden gemäß Ausbildung, Berufserfahrung, Wohnort etc. herausgefiltert. Die persönlichen Daten liegen in den Arbeitskomitees auf.
Das Hauptrekrutierungsfeld für neue Arbeitskräfte werden die Schulabgänger bzw. die sich in der Ausbildung Befindenden sein. Arbeitskräfte können aber auch von anderen Betrieben abgezogen werden, in denen sie nicht so dringend benötigt werden.
Schließlich wird es Leute geben, die wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden, da sie aus verschiedensten Gründen nicht arbeiten wollten (und auf den Status der Grundversorgung herabgesetzt wurden) oder eine gewisse Zeit nicht arbeiten konnten (z.B. aufgrund der Geburt eines Kindes).

Die Arbeitskraft in der BVW wird ausschließlich hinsichtlich ihres Arbeitsbeitrages (Arbeitszeit, Kenntnisse, Qualität der geleisteten Arbeit) beurteilt und in dieser Hinsicht ihr Arbeitseinsatz geplant.
Es wird durchaus auch ein Anliegen der BVW sein, menschliche Arbeitskraft freizusetzen, allerdings nicht, wie in der Marktwirtschaft, diese im Sinne der Kostenrechnung einzusparen. Während Rationalisierungskündigungen in der Marktwirtschaft meist fatale Konsequenzen für die Betroffenen haben, diese also gegen die Interessen der Arbeitnehmer durchgesetzt werden, sind Arbeitsentlastungen in der BVW im Interesse aller Beteiligten. Die Arbeit kann effizienter und mit weniger Anstrengung erledigt werden. Die nicht mehr benötigten Arbeitskräfte werden in anderen Bereichen eingesetzt, im gleichen Betrieb oder in anderen, in denen ein Mangel an Arbeitskräften besteht.

Die Arbeit wird nicht nur in Übereinstimmung mit den Fähigkeiten sondern auch mit den Interessen der Arbeitskräfte eingeteilt.
Trotz einer allgemein angestrebten angenehmen Gestaltung von Arbeit und Arbeitszeit wird es Präferenzen für einige Arbeiten und eher Ablehnung hinsichtlich anderer geben. Diesbezüglich wird ein Arbeitszeitbewertungssystem eingesetzt, um das Interesse an weniger angenehmen und beliebten Arbeiten zu fördern (dazu ausführlicher weiter unten).
Eine weitere Möglichkeit der Erbringung unangenehmerer Arbeiten bestünde darin, dass diese Tätigkeiten im Rahmen einer Ausbildung eine bestimmte Zeit lang auszuführen sind (z.B. Krankenpflege im Rahmen einer medizinischen Ausbildung).
Bei mangelndem Zustrom zu einigen Tätigkeitsbereichen wäre auch zu überlegen, diese für einen bestimmten Zeitraum als Voraussetzung, um in den Genuss der Allgemeinversorgung zu kommen, zu definieren.
Als Beispiel: In der Ausbildung befindliche Leute hätten sich eine Zeit lang den Putz- und Reinigungsdiensten, andere den Pflegediensten zur Verfügung zu stellen.


1 Antwort auf “6.2 Planung der Arbeit”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 14:59 Uhr
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