5.5 Produktivität

Die Geschichte der marktwirtschaftlichen Produktion und Leistungserstellung ist durch beständig stark wachsende Produktivität gekennzeichnet. Produktivität ist das Verhältnis der Ausbringungsmenge zur Einsatzmenge, z.B. Stück pro Stunde. Die Verbesserung dieses Verhältnisses zugunsten der Ausbringungsmenge ist in der Marktwirtschaft insofern wesentlich, da sich dadurch der Kostenanteil pro Stück reduziert, und dies einen billigeren Preis (Konkurrenzvorteil) und auch erhöhten Profit mit sich bringt. Es sind also die Auswirkungen auf Kosten, Preis und Profit, welche die Unternehmen in der Marktwirtschaft dazu anspornen, ständig ihre Produktivität zu verbessern.

Auch in der BVW ist eine Steigerung der Produktivität anzustreben, doch die Triebfeder und Auswirkung für die Betroffenen ist eine vollkommen andere. In der BVW kommt es darauf an, die Arbeitenden zu entlasten, d.h. den Anteil menschlicher Arbeitskraft an der Produktionszeit zu reduzieren, um mehr Zeit für andere Aktivitäten des Lebens zu schaffen. Die Einsparung von menschlicher Arbeitskraft wird nicht nur zur Erhöhung des Freizeitanteils genutzt werden, sondern auch zum Einsatz dieser Arbeitskräfte in anderen Bereichen führen, in welchen Arbeitskräftemangel besteht oder die Erstellung von Produkten und Leistungen ausgebaut werden soll.
Keinesfalls kann eine Produktivitätssteigerung in der BVW zu einer Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitenden führen, wie dies nur allzu oft in der Marktwirtschaft der Fall ist. Die Erhöhung der Produktivität ist nicht über eine Mehrbelastung der Arbeitenden zu erzielen, sondern durch den Einsatz von Technologie und einer effektiven Ablauforganisation. Maschinerie ist in diesem Fall kein „Arbeitsplatzvernichter“ (und verursacht maschinenstürmerische Gedanken) und Automatisierung bewirkt nicht Lohndruck und geisttötende Arbeit. Arbeitssparende und bessere Produktionsmittel werden zu Mitteln angenehmeren Lebens. (Ein Schwerpunkt der Forschung wird im Sinne solch einer technologischen Entwicklung zu setzen sein.)
Eine weitere Möglichkeit, die Produktivität zu steigern, besteht darin, die arbeitsteilige Produktion anders zu strukturieren. Die gesellschaftliche Arbeitsteilung wird nicht der „unsichtbaren Hand des Marktes“ überlassen, sondern sinnvoll gebündelt. Sinnvoll heißt in diesem Zusammenhang, dass, unter Bedachtnahme von Ressourcen und regionalen Gegebenheiten, die Produktion konzentriert wird.
Es könnte sich als ökonomisch unvorteilhaft erweisen, für die Herstellung von Schuhen in Mitteleuropa 30 Produktionsstätten zu betreiben und in 60 unterschiedlichen Macharten zu produzieren. Wie viele Produktionsstätten ausreichen, hängt alleine von der vorteilhaftesten Logistik ab. Wenn sich bei Berechnungen herausstellen sollte, dass Zentralisationen zu einer überdimensionalen Steigerung von Transportzeiten führen, ist davon Abstand zu nehmen.
Ebenfalls wird der in der Marktwirtschaft üblichen Warenbeschaffung aus entfernten Regionen die Grundlage entzogen. Der Bezug asiatischer Schuhe für Mitteleuropa ist nicht dem unterschiedlichen Gebrauchswert der Schuhe geschuldet, sondern den niedrigeren Arbeitskosten – erübrigt sich dieser ökonomische Gesichtspunkt, entfällt auch die offenkundige Absurdität, Schuhe für Mitteleuropa in Asien zu produzieren und von dort nach da zu schiffen.
Dass Kartoffeln nur zum Waschen von Deutschland nach Süditalien gefahren werden, gehört – als ein Beispiel von vielen – zu den „rationalen Irrationalitäten“ der Marktwirtschaft, die sich in der BVW aufhören.

Aufhebung der Zersplitterung von Produktion bedeutet auch eine produktivere Anwendung der Technologie.
Auch in der Landwirtschaft ließe sich durch eine Zusammenlegung von Flächen und groß angelegtem Anbau die Technologie besser einsetzen, und die Ergebnisse effizienter gestalten. Eine groß angelegte Landwirtschaft wird meist mit einem starken Qualitätsverlust der landwirtschaftlichen Produkte verknüpft. Der Grund für die Qualitätsmängel der Produkte von Großbetrieben liegt nicht in ihrer Größe, sondern in den marktwirtschaftlichen (und staatlichen) Vorgaben: Kosten, Preise, Konkurrenz, Subventionsauflagen. Es gibt keinen notwendigen Zusammenhang zwischen Größe und schlechter Qualität. Sollte sich in der BVW dennoch herausstellen, dass Großbetriebe eine schlechte Qualität abliefern, dann werden deren Produktionsmethoden und nicht die Größe zu problematisieren sein. Weshalb „klein, aber fein“ wenn „groß und fein“ auch geht und produktiver ist?
In der Marktwirtschaft bieten viele Privateigentümer die gleichen Dienstleistungen an und konkurrieren am Markt. Auch diese Zersplitterung wird so weit wie möglich aufzuheben sein.
In der BVW wird es nicht eine Vielzahl von Reparaturbetrieben geben, sondern Servicecenters, die Produktionsbetrieben angeschlossen sein können. Die jeweilige regionale Stationierung sollte eine sinnvolle Betreuung der Konsumenten ermöglichen.


1 Antwort auf “5.5 Produktivität”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 05. Dezember 2008 um 17:21 Uhr
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