5.4 Qualität

Ein Kriterium der Produktion von Gebrauchswerten in der BVW ist die Herstellung von qualitativ hochwertigen Gütern. Dies bedeutet erstens die Fertigung von Gütern, die den Ansprüchen der jeweiligen Nutzung voll gerecht werden: robustes, langlebiges Material, Berücksichtigung der Gesundheit der Benützer, benutzungsfreundliche Ausführung, schönes Design, etc.
Wer nun behauptet, dass Qualität auch in der Marktwirtschaft ein vorrangiges Kennzeichen der Güter sei, sollte über Erfahrungen mit Produkten und Kaufentscheidungen nachdenken. Es mag schon sein, dass allzu miese Ware keinen Käufer findet. Dies aber auch nur dann, wenn es um den gleichen Preis etwas Besseres gibt. Allzu oft relativiert sich die Qualität am Preis, denn ein aufwendigerer Produktionsprozess und hochwertigere Vormaterialien verursachen höhere Kosten. Die Frage ist, ob eine größere Käuferschicht auch bereit und fähig ist, diese zu bezahlen. So gibt es eine breite Palette von Waren besserer und schlechterer Qualität, aufgeteilt in mehrere Preiskategorien, jeweils für eine bestimmte „Zielgruppe“ – wobei ein hoher Preis nicht unbedingt ein Garant für gute Qualität sein muss. Gewisse Qualitätsmerkmale sind in der Marktwirtschaft meistens für den Hersteller gänzlich uninteressant: die Langlebigkeit der Güter und die Auswirkungen auf die Gesundheit der Konsumenten. Langlebigkeit wäre nur schädlich für die so notwendige kontinuierliche Nachfrage. Gesundheitsschädigungen werden eventuell nur dann unangenehm für marktwirtschaftliche Produzenten, wenn sie unmittelbar und nachhaltig durch den Konsum erfolgen und eindeutig auf eine bestimmte Ware verweisen – gefürchtet werden dann die rechtlichen (sprich auch finanziellen) Konsequenzen.
Lebensmittel, die zu sofortigen Vergiftungen führen, sind ein „Skandal“ und werden eingezogen. Die Wirkungen von Lebensmitteln, die mit allen möglichen Giften und Schadstoffen versehen sind (schöneres Aussehen, schnelleres Wachstum, weniger Schädlinge), welche sich gesundheitlich nur schleichend bemerkbar machen, werden als „nicht nachweisbare Schädigungen“ in Kauf genommen.

Qualität ist nicht nur bei bestimmten Produkten, sondern für alle Produkte gefordert. Das bedeutet ständige Qualitätskontrollen beim laufenden Produktionsprozess.
Diese werden zweifellos auch von manchen marktwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt; doch dabei entstehen Kosten, die in Relation zu den zusätzlichen Absätzen zu kalkulieren sind – dementsprechend fallen auch die Qualitätskontrollen aus.
Die Kalkulation des marktwirtschaftlichen Betriebes lautet: Wie viel kostet die Qualitätskontrolle und wie groß wäre der Schaden (Ertragseinbußen, Schadensersatzzahlungen etc.), der dadurch vermieden wird. Sollten Qualitätskontrollen letztlich mehr kosten als die Schäden ohne Qualitätskontrollen, so werden jene reduziert oder gänzlich abgeschafft bzw. gar nicht eingeführt.

In der BVW werden eigene Forschungszentren für Branchen eingerichtet, deren Aufgabe darin besteht, Gebrauchswerteigenschaften und Qualität ständig zu verbessern und neue Produkte zu entwickeln.
Auch in der Marktwirtschaft wird in dieser Hinsicht geforscht, aber: Große Betriebe, die sich das leisten können, forschen jeweils für ihre Zwecke und in Konkurrenz zueinander (- vom Standpunkt einer vernünftigen Ökonomie eine beträchtliche Vergeudung gesellschaftlicher Geisteskapazitäten). Die betriebliche Forschung soll durch Kostensenkung oder Neugestaltung eines Produkts Wettbewerbsvorteile für das Unternehmen erreichen.
Wenn sich Forscher den Kopf darüber zerbrechen, wie man Tomaten mit möglichst roter Farbe und gleichmäßig runder mittelgroßer Form züchten kann, so mag das dem Lebensmittelkonzern Vorteile verschaffen, da sich Kunden von solch schönen Tomaten bei der Kaufentscheidung beeindrucken lassen. Ob die Tomaten dann geschmacklich ausgereift sind und wie sich die Manipulationen langfristig auf die Gesundheit auswirken, sind dabei (für die Verkäufer) zu vernachlässigende Randbedingungen.


1 Antwort auf “5.4 Qualität”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:20 Uhr
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