5.3 Planzahlen

Die Richtgröße für den Produktionsumfang sind die Planzahlen. Diesbezüglich werden Vorlieferungen, Arbeitszeit und Arbeitskräftebedarf festgelegt. Die Produktionsinstanzen haben sich dabei nicht an Kosten und Preisen zu orientieren, sondern ausschließlich auf die Organisation des Betriebsprozesses zu konzentrieren, um die nötigen Gebrauchswerte zu schaffen.
Klarerweise ist bei der Planung auf letztlich beschränkte Ressourcen (Rohmaterial, Maschinen, Arbeitskräfte) Rücksicht zu nehmen, um deren Einsatz und Verbrauch sinnvoll, d.h. auch effizient, zu koordinieren. Dies ist allerdings nicht mit einer Kostenplanung in der Marktwirtschaft zu verwechseln. „Kosten“ sind Geldgrößen, die als Relationsgröße zum erzielbaren Preis und als Abzug vom Gewinn kalkuliert werden.
Die Einsatz- und Verbrauchsplanungen in der BVW haben sich ausschließlich an einer optimalen Versorgung mit bestmöglicher Qualität zu orientieren.

Die Fertigungsplanzahl besteht aus den von den Konsumenten angegebenen Bestellungen korrigiert um Erfahrungswerte und einem (Puffer)zuschlag, der eventuelle Produktionsausfälle oder unvorhergesehenen Mehrbedarf kompensieren soll.
Bei den Gütern des täglichen Bedarfs (Verbrauchsgütern) wird, wie schon erwähnt, nicht auf Bestellung produziert, sondern aufgrund geschätzter Bedarfszahlen. Alle Zuteilungsstellen sind mit der Planungsleitstelle vernetzt, sodass ein ständiger Überblick über die vorhandene Nachfrage besteht und bezüglich Fehlmengen relativ rasch reagiert werden kann. (Das Schätzverfahren wird auch bei Kleinteilen, wie z.B. Schrauben und Nägeln, zur Anwendung kommen.)
Bei Gebrauchsgütern werden zwar die Rohmaterialien, wie z.B. Stahl oder Webstoffe, in gewissen geschätzten Mengen vorbereitet – die speziellen Produkte werden dann auf Bestellung gefertigt. (Das Bestellverfahren gilt auch für Anlagen, wie Maschinen etc., die in Betrieben eingesetzt werden.)
Es werden 200.000 Paare Winterschuhe Größe 50 jährlich in Mitteleuropa benötigt. Die Planzahlen für Materialien, Arbeitszeit, Arbeitskräfte und sonstige Produktionsmitteln (Maschinen, Energie etc.) werden von der Planungsabteilung in Zusammenarbeit mit dem Herstellungsbetrieb entwickelt. Ändern sich die Bedingungen, z.B. durch produktivere Maschinen, so sind die Planzahlen von den Planungskomitees sofort anzupassen. Das Leder wird nun in verschiedenen Farbtönen schon vorweg produziert, sodass die Herstellung eines bestimmten bestellten Modells rascher vollzogen werden kann. (Dabei kann es schon vorkommen, dass gewisse Farben bzw. Modelle rasch „vergriffen“ sind und der Konsument mit anderen Modellen vorlieb nehmen oder eine Vorbestellung für die nächste Saison vornehmen muss.)
Das Bestellverfahren kann nur dann rationell, im Sinne von effektiv, betrieben werden, wenn die bestellten Güter nicht jeweils einzeln hergestellt werden, sondern kontinuierlich große Mengen die Fertigung durchlaufen. Deshalb werden einerseits gewisse Bestelltermine und Bestellfristen wie auch andererseits Ausliefertermine zu beachten sein.

Die Unsicherheit bezüglich des Absatzes, welcher jeder Betrieb, sofern nicht Monopol und staatlich geschützt, ausgesetzt ist, und die ständigen Schwankungen der Nachfrage, welche die gesamte Ökonomie aufgrund von „Überproduktion“ oder „Unterkonsumtion“ in Krisen geraten lässt, sind ein Spezifikum der Marktwirtschaft.Wenn in der BVW die Planzahlen nicht erreicht werden, kann klarerweise ein Mangel bei der Versorgung auftreten. Um dies längerfristig zu beheben, wird es erforderlich sein, den Gründen nachzugehen und den Produktionsprozess zu verbessern. Um eine Engpasssituation zu vermeiden, wird der Produktionsprozess laufend beobachtet und auf eine Abweichung von den Sollzahlen sofort reagiert.
Dies macht übrigens auch ein gut geführter marktwirtschaftlich orientierter Betrieb, mit dem Unterschied, dass dessen Sollzahlen sich noch auf dem unsicheren Markt, der nicht planbar und kontrollierbar ist, zu bewähren haben.
Auf die Erläuterung der bei Ökonomen beliebten mathematischen Planzahlenmodelle kann verzichtet werden. Die BVW beruht auf der Planung technischer Größen, wie Arbeitsstunden, Kilogramm Rohmaterial, Stückzahlen der Halb- und Fertigprodukte etc. Klarerweise wird es diesbezüglich auch mathematisch ausformulierte Planberechnungen geben, wie etwa: für die Produktion von x Winterschuhe werden n1 Meter Rohmaterial und n2 Arbeitsstunden benötigt. Doch die in Geldgrößen bezifferten Plangrößen sind unnötig, und auch die aufwendigen Zahlenmodelle, die eine Geldzirkulation miteinschließen.


1 Antwort auf “5.3 Planzahlen”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 15:19 Uhr
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