5.2 Gebrauchswert ( versus Tauschwert)

Wie schon weiter oben erläutert, ist Geld eine notwendige Konsequenz des Tausches von Privateigentümern, und zwar in einer Gesellschaft, in der arbeitsteilig produziert wird und die einzelnen Privatproduzenten auf die Produkte anderer Privatproduzenten angewiesen sind. Der Tausch – Produkt gegen Produkt – kann in solch einer Gesellschaft nur funktionieren, wenn das andere Produkt eine allgemein tauschbare und wertmäßig anerkannte Ware ist. Gold ist diese Ware und wird in der Marktwirtschaft durch allgemein anerkanntes Papiergeld ersetzt.
Die Anerkennung des (bezüglich des Materialwertes beinahe wertlosen) Papiergeldes wird durch die Hoheit des Staates hergestellt.
Die Ware kommt mit einem Preis auf den Markt. Im Preis manifestiert sich der gesellschaftliche Charakter der Produktion, denn er spiegelt nicht die jeweilige subjektive Vorliebe des Käufers wieder, sondern drückt notwendig gesellschaftliche Arbeitszeit aus.
Niemand bezweifelt die Tatsache, dass die treibenden Motive für Unternehmer nicht das Herstellen, Anbieten von Leistungen, bzw. Verkaufen an sich sind, sondern das Realisieren von Geld – von mehr Geld, als er in das Unternehmen investiert hat. Profit ist eine Notwendigkeit für den marktwirtschaftlichen Unternehmer.
Die ganze gesellschaftliche Reproduktion wird dem Geld unterworfen. Dieses zu erwerben und zu besitzen verschafft den Zugriff auf den materiellen Reichtum und ermöglicht, wenn in ausreichendem Maße vorhanden, ein angenehmes Leben.

Preis, Kosten, Gewinn sind die wichtigen Größen für den Unternehmer, an denen er seine Produktion, seine Angebote, seine Leistungen ausrichtet. Gesellschaftliche Bedürfnisse und Bedarf sind ihm nur als Mittel zum Zweck wichtig, nämlich um seine Gewinne zu realisieren. Worauf es ihm ankommt, ist ein profitrealisierender Tauschwert – dieser ist von ihm nicht vorweg planbar (nur prognostizierbar), da er von einigen Faktoren beeinflusst wird, die nicht in der Hand des einzelnen Unternehmers liegen.
Der Gebrauchswert der Waren dient nur als Träger des Tauschwerts – auf letzteren kommt es in der Marktwirtschaft an. Güter können einen Gebrauchswert haben, sind jedoch marktwirtschaftlich gesehen dennoch wertlos (z.B. unverkäufliche, weil überschüssige Waren. Der marktwirtschaftliche Handel entwickelte auch Waren, die selbst nur mehr Tauschwert sind, d.h. denen der Gebrauchswert abhanden gekommen ist, wie z.B. Wertpapiere.) Die Marktwirtschaft verhält sich also relativ ignorant gegenüber den Gebrauchswerten.
So verläuft die gesellschaftliche Leistungserstellung als Kampf um das Geld, unsicher, mit ständigem Risiko behaftet und Bedürfnisse nur beachtend, sofern sie klingende Münze und Profit bringen.

Die Produktion und Leistungserstellung der BVW fußen auf vergesellschafteten Produktionsmitteln. Es gibt dementsprechend keine Privateigentümer, die in Konkurrenz auf dem Markt antreten, um dort ihre Produkte (gegen Geld) zu tauschen. Die Güter werden nicht verkauft, sondern zugeteilt. Ein Tauschwert, ein Preis, ist somit obsolet. Die Produktion hat nicht den Zweck, Profite zu erwirtschaften, und ist Kosten und Preisen nicht unterworfen.
In der BVW kommt es vielmehr auf die Erstellung und Zuteilung von Gebrauchswerten an, auf eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Versorgung der Verbraucher und Benutzer. Die Orientierungs- und Zielgrößen der BVW-Produktion und BVW-Leistungserstellung sind:
- Planzahlen,
- Qualität,
- Produktivität,
- Einhaltung von Lieferterminen,
- möglichst angenehme Arbeitsbedingungen
Darauf wird im Folgenden näher eingegangen.


1 Antwort auf “5.2 Gebrauchswert ( versus Tauschwert)”


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