4.3 Vielfältigkeit der Güter

Sicher wird es Diskussionen darüber geben, in wie vielen Variationen ein Gut hergestellt werden soll. Letztlich bleibt es dem Planungskomitee vorbehalten, nach folgenden Kriterien zu entscheiden: Die angebotenen Winterschuhe werden in mehreren Designs und Macharten angeboten, wobei sich diese einigermaßen unterscheiden sollten. Dabei werden die vorhandene Produktionstechnik und der notwendige Ressourceneinsatz (Rohmaterial, Produktionsmittel und Arbeitszeit) berücksichtigt. Das bedeutet auch, dass die Vielfältigkeit ihre Schranken im Ressourceneinsatz hat: Haushaltskühlschränke werden sich auf zwei bis drei Modelle beschränken. Bei den Bekleidungsprodukten werden vorerst die Plangrößen für den Bedarf, die zur Verfügung gestellten Arbeitskräfte, das Rohmaterial und die Maschinenkapazitäten festgestellt – danach wird überlegt, wie in diesem Rahmen der Vielfältigkeit Rechnung getragen werden könnte. Auf allzu viele Variationen wird dann zu verzichten sein, wenn dadurch bei der übrigen Versorgung zu große Abstriche gemacht werden müssten.
Die absurde Vielfalt gleicher oder fast gleicher Produkte (mit unterschiedlichem Markennamen) wie in der Marktwirtschaft wird es nicht geben.
Der Grund der Vielfalt in der Marktwirtschaft liegt nicht so sehr in der Vielfalt der Kundenwünsche, sondern in der Vielfalt der unterschiedlichen Privatanbieter, die sich dementsprechend am Markt unterscheiden wollen – und wenn es nur ein anderes Etikett ist. Außerdem werden, entsprechend der zahlungsfähigen Nachfrage, unterschiedliche Preise (und Qualitäten) angeboten.
Die Vielfalt wird übrigens in der Marktwirtschaft stark reduziert, wenn es nur ganz wenige Anbieter gibt.

Es wird auch Diskussionen darüber geben, ob gewisse Güter (gesellschaftlich) hergestellt werden sollen oder nicht – ob etwa für die Herstellung von Dudelsackpfeifen und Gartenzwergen gesellschaftliche Ressourcen verplant werden sollen. Mit Umfragen und der Vorgabe gewisser Kriterien sollten diesbezüglich vernünftige Entscheidungen getroffen werden können.
Wenn nun Gartenzwerge nicht in den Planungsprozess miteinbezogen werden, brauchen Liebhaber von Gartenzwergen nicht unbedingt darauf verzichten. Sollte genügend Rohmaterial vorhanden sein, könnte dies für die Freizeitgestaltung zur Verfügung gestellt werden und die Gartenzwerge außerplanmäßig in der Freizeit – die ausreichen vorhanden sein wird – durch Hobbygartenzwergegestalter hergestellt werden.
Um in den Rang einer gesellschaftlichen Arbeit gehoben zu werden, müsste der Gartenzwergeerzeuger eine starke Nachfrage nach Zwergen nachweisen und die Anerkennung eines gesellschaftlichen Bedürfnisses nach Zwergen bei dem Komitee erreichen.
In den einzelnen Branchen werden eigene Sektionen eingerichtet, die sich mit der Entwicklung neuer Produkte (wie schon erwähnt, auch aufgrund von Anregungen der Konsumenten) beschäftigen. Diese werden in den Branchenkomitees vorgestellt und einer Kritik unterzogen.
Für die Entwicklung neuer Produkte wird auch Grundlagenforschung notwendig sein. Diese wird in Spezialabteilungen vollzogen, (z.B. anorganische Chemie) welche die Aufträge von Branchensektionen erhalten. Die Grundlagenforschung wird sich allerdings nicht nur an Branchenaufträgen orientieren, sondern unabhängig davon Forschungsprojekte betreiben. Der Druck (der Marktwirtschaft), technologisch und geschäftsmäßig verwertbare Ergebnisse liefern zu müssen, entfällt in solchen Projekten. Dies bedeutet in so manchen Bereichen, dass wissenschaftliche Gegenstände unbeeinflusst von äußeren Interessen gründlich erforscht werden können.


1 Antwort auf “4.3 Vielfältigkeit der Güter”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 11. Dezember 2008 um 14:58 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.