6 Resümee

• Ein Großteil der Bevölkerung lebt in Relation zum akkumulierten Reichtum der Gesellschaft in bescheidenen Verhältnissen. Die private Aneignung schließt die Produzenten des Reichtums von diesem aus. So paradox es klingt: Mangel ist ein Kennzeichen dieser „Überflussgesellschaft“.
Armut lässt sich nicht reduzieren auf die Verhungernden und Obdachlosen. Auch der Besitz eines Fernsehgeräts und Autos weist heutzutage den Besitzer nicht als wohlhabenden Menschen aus.

• Arbeit ist für die Arbeitnehmer kein Mittel, zu Wohlstand zu gelangen. Ein Arbeitsplatz garantiert weder Sicherheit noch ein angenehmes Leben.

• Die Arbeit selbst ist kein Honiglecken: Die Arbeitsdauer lässt für sonstige Betätigungen von Geist und Körper wenig Zeit, die Arbeitsinhalte sind sehr oft eintönig und unter Zeitdruck auszuführen, die Abhängigkeit vom und die Konkurrenz am Arbeitsplatz erhöhen die psychische Belastung.

• Darunter leidet auch die Gesundheit. Doch das Kränkeln wird nicht gern gesehen: wer halbwegs arbeiten kann, ist gesund. Aufwendigere Krankheiten können sich sowieso nur die Reichen leisten. Die kranke bzw. kränkelnde Psyche mit ihren somatischen Folgeerscheinungen (nebst Alkoholismus und Tabletten- und anderen Abhängigkeiten) hat ihren Nährboden in der Konkurrenzgesellschaft und belastet einen großen Teil der Bevölkerung. Wer ohne größere Schmerzen und in angenehmer Umgebung alt wird, hat Glück gehabt.

• Die Geschäftsinteressen nehmen keine Rücksicht auf die Umwelt (außer der Umweltschutz ist selbst ein Geschäft). Beschränkungen der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur werden als Einschränkung des Geschäfts gesehen.

• Auch die vehementesten Befürworter der Marktwirtschaft könnten nicht behaupten, dass diese ein Garant für Frieden sei. Selbst zwischen den Staaten der Ersten Welt könnte es dann wieder krachen, wenn es Wirtschaft und Staatsräson erfordern – die marktwirtschaftlichen Kräfte werden sich bestimmt nicht als Kriegsgegner formieren und den Krieg verhindern.

Die Wirkungen, welche die Marktwirtschaft zeitigt, sind ebenfalls nicht dazu angetan, irgendein gutes Haar an dieser Ökonomie zu lassen.
Trotzdem hat die Marktwirtschaft (mächtige) Befürworter: Erstens diejenigen, die es in dieser Gesellschaft „geschafft“ haben (bzw. daran sind oder glauben, es zu schaffen) und vor allem zweitens den bürgerlich demokratischen Staat. (Siehe folgendes Kapitel)


1 Antwort auf “6 Resümee”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 05. Dezember 2008 um 17:21 Uhr
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