4 Konkurrenz um den Arbeitsplatz

Diejenigen, die nichts anderes anzubieten haben als ihre Arbeitskraft, sind einer Konkurrenz um den Arbeitsplatz ausgesetzt. Dies bedeutet für beinahe alle, dass ihre existentielle Grundlage, das Arbeitsentgelt, vom Unternehmer unter Ausnützung der Konkurrenz (nicht immer aber) meistens gedrückt werden kann und für manche, dass sie überhaupt aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, weil sie aus verschiedensten Gründen der Konkurrenz nicht gewachsen sind.

Alles in dieser Ökonomie wird in Geld bewertet. So auch die Arbeitskraft, die daran bemessen wird, welche Geldwerte sie schafft und wie viel nach Abzug ihrer Kosten dem Privateigentümer verbleibt. Der Einsatz der Arbeitskraft soll sich für den Unternehmer lohnen. Die Produktion in der Marktwirtschaft ist bezüglich der daran Beteiligten als Interessengegensatz eingerichtet: Das, was die einen notwendig zum Leben brauchen, sind für die anderen Kosten und als solche gering zu halten. Meistens bleibt da für die Arbeitskräfte nicht viel über – der Großteil verdient (in den so genannten Industrieländern) gerade so viel, um sich selbst und die Familie erhalten zu können. Für das gute Leben fehlen Freizeit und / oder Geld.
Der Ausdruck „gutes Leben“ erregt die puritanische Seele von Berufs- und Hobbyethikern: ‚Was ist denn gutes Leben? Gehört dazu ein Schloss oder reicht eine Vierzimmerwohnung?‘ Klar, jeder hat einen anderen Begriff von gutem Leben. Was die materiellen Dinge betrifft, ist es wohl ein gutes Leben, wenn man bei den grundlegendsten Bedürfnissen wie Essen, Wohnen, Bekleidung für gute Qualität nicht sparen muss und für die restlichen Bedürfnisse noch Zeit und Geld überbleibt – und dies abgesichert ein Leben lang. Eines gleich vorweg. Solch ein „gutes“ Leben ist nicht unbedingt identisch mit einem „glücklichen“ Leben – dazu bedarf es freilich noch anderer Zutaten. (Siehe dazu auch Kapitel „Das Elend der Marktwirtschaft / Armut“)

Sich als Arbeitskraft zu verdingen bedeutet für die meisten ein ständiges „Zurechtkommen“ mit unsicheren Lebensverhältnissen. In der „Ersten Welt“ laufen Arbeitende aufgrund schlechter Bezahlung und vor allen beim Verlust des Arbeitsplatzes Gefahr, in die absolute Armut abzugleiten. (In der „Dritten Welt“ sind Arbeitsplätze von vornherein eine Rarität. Armut ist der Normalzustand, oft steht das Verhungern an.)
Es ist einfach eine Mär, dass in der Marktwirtschaft alle Tüchtigen und Fleißigen belohnt werden bzw. ein Anrecht auf ein gutes Leben hätten. Konkurrenz, Konjunkturlagen, Rationalisierungen, technologische Änderungen, Alter, Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bestimmen über die Existenz der davon Betroffenen.

Der Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital, also der Umstand, dass die eine Klasse umso besser verdient, je weniger für die andere Klasse ausgegeben werden muss, hat die Konsequenz, dass die Kapitalisten die Zahlungsfähigkeit ihrer größten Kundengruppe ständig beschneiden und sich damit den Markt zusätzlich eng machen.

Abgesehen von vielfach schlecht bezahlter Arbeit ist die Arbeit selbst meist kein Honiglecken. Wenn die Arbeitskraft daran gemessen wird, wie viel Wert sie schafft und wie viel nach Abzug ihrer Kosten dem „Arbeitgeber“ überbleibt, so sehen dementsprechend Arbeitsbedingungen, Arbeitstempo und Arbeitsinhalte aus. (Siehe Kapitel „Das Elend der Marktwirtschaft / Arbeit“)

Da die Löhne Kosten für die Unternehmer sind, ist in der Marktwirtschaft einiges unternommen worden, um diesen Kostenanteil relativ zu senken. Technologische Entwicklungen führten zu enormen Produktivitätssteigerungen und zu Arbeitszeiteinsparungen. Doch da der Zweck dieser Anstrengungen Kosteneinsparung und nicht Arbeitserleichterung war und ist, führt(e) dies nicht zu einer der Produktivitätssteigerung angemessenen Arbeitszeitverminderung für die Arbeitenden. Diese werden durch die Verfolgung dieses Zwecks allerdings freigesetzt (arbeitslos), was letztendlich nicht vermehrte Freizeit sondern zumindest eine Einschränkung des Lebensstandards, wenn nicht Existenzbedrohung bedeutet.


1 Antwort auf “4 Konkurrenz um den Arbeitsplatz”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 15. Dezember 2008 um 10:51 Uhr
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