2 Arbeit- 2.2 Moderne Arbeit

Zweifellos haben sich Arbeit und Arbeitsbedingungen in den letzten zweihundert Jahren drastisch verändert. Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat vor allem die technologische Entwicklung die Arbeitswelt nachhaltig beeinflusst.
Aber hat sich dadurch der Ruf der Arbeit verbessert?

Steigerung der Produktivität durch den Einsatz von Computern
Computer wurden und werden nicht zur Arbeitserleichterung oder Verkürzung der allgemeinen Arbeitszeit entwickelt, sondern um Kosten zu senken und Profite zu steigern. Die Arbeit selbst hat sich dadurch in den meisten Bereichen verändert, diese mag auch manchmal „bequemer“ geworden sein. Auf der anderen Seite sind Belastungen anderer Art dadurch gestiegen und diese Technik hat in keinem Fall den so genannten „Arbeitsdruck“ reduziert. Die Durchsetzung des PCs als Arbeitsgerät machte die Schreibmaschinen überflüssig aber nicht das „Schnellschreiben“ und die erhöhte Belastung für die Augen.
Eine weitere Konsequenz der Computerisierung war (und ist), dass vor allem ältere Arbeitskräfte für ihren lohnenden Einsatz unbrauchbar wurden (und werden) und den Einstieg in einen neuen Beruf auch bei bestem Willen nicht mehr schaffen.

Flexibilisierung des Arbeitseinsatzes
In der modernen Marktwirtschaft ist es nicht mehr selbstverständlich einen Arbeitsplatz mit einer fix geregelten Arbeitszeit angeboten zu bekommen. Es besteht seitens der Unternehmer das Interesse, Arbeitnehmer je nach Bedarf einsetzen zu können, ohne dass dadurch Mehrkosten entstehen – und dies wurde durch die Abschaffung alter „überkommener“ Arbeitszeitregelungen erreicht:
Neue Arbeitszeitmodelle machen Überstunden ohne Überstundenentlohnung und Teilzeitarbeit mit Verdiensteinbußen möglich. Kurzarbeit mit sehr starkem Verdienstrückgang und 60 Stunden-Wochen wechseln einander je nach Auftragslage ab und erschweren für die Betroffenen eine gesicherte und geregelte Lebensführung. Viele werden gar nicht mehr angestellt, sondern arbeiten als Selbständige für die Firmen, ohne arbeitsrechtliche Ansprüche und sind jederzeit ohne Belastung mit Lohnnebenkosten sofort einzusetzen oder abzubauen.
Die in der Regel schlecht bezahlten Heimarbeitsplätze (Teleworking) ändern nichts am Charakter der Arbeit selbst, – die freie Zeiteinteilung und der Vorteil der eigenen vier Wände erweisen sich oft als Chimäre.

„Informationsgesellschaft“
Die moderne Kommunikationstechnologie ermöglicht durch die Vernetzung von Informationen einen schnelleren und umfassenderen Zugriff auf Daten. Diese Möglichkeit wird kommerziell genutzt: rascher und billiger sind einleuchtende Argumente für Unternehmer. Die Arbeitswelt ist um eine Facette bereichert, der Umgang damit will gelernt sein. An den grundsätzlichen Bestimmungen der Arbeit ändert dies nichts: die Arbeitszeit wird dadurch für die Arbeitenden allgemein nicht verkürzt, auch nicht mehr Lohn gezahlt. Eine eventuelle Arbeitserleichterung wird durch verschärften Zeitdruck mehr als kompensiert.

„Fluktuation“
Arbeitsplätze sind heutzutage nicht nur wegen schwankender Konjunkturen und des wechselnden Geschäftsgangs der Unternehmen, sondern auch wegen der technologischen Entwicklung keinesfalls als Dauerstellung vom Arbeitnehmer planbar. Firmen- bzw. Arbeitsplatzwechsel alle drei, vier Jahre sind normal – wenn der Arbeitnehmer sich nicht ständig aus- und weiterbildet, wird er auf dem Arbeitsmarkt aussortiert und sehr bald zum Dauerarbeitslosen. Aber auch Weiterbildung ist kein Garant auf einen Arbeitsplatz.

So wird in der Marktwirtschaft wieder aus einer Möglichkeit der Entlastung – nämlich durch die moderne Technologie – für die arbeitenden Menschen eine Belastung und eventuell eine Gefährdung einer sicheren Existenz.


1 Antwort auf “2 Arbeit- 2.2 Moderne Arbeit”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 05. Dezember 2008 um 17:16 Uhr
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