1 Privateigentum und Geld

Jeder bringt sich mit seinem Privateigentum in einen Markt ein, auf dem jeweils seine Ware gegen eine andere getauscht wird. Der Tausch in der Marktwirtschaft geht nun nicht so vor sich: Tausch einer besonderen Ware gegen eine andere besondere Ware. Der Tausch vollzieht sich über ein allen Waren gegenüberstehendes Warenäquivalent. Dieses Warenäquivalent (früher spezielle Materialien, vor allem Gold) wird Geld genannt. Geld ist die Konsequenz einer Wirtschaft bestehend aus Privateigentümern, die mit dem Verkauf ihrer Produkte andere Produkte bekommen können.
Nur mit dem damit eingenommenen Geld verfügen die Privateigentümer über die Möglichkeit, sich andere Waren zu besorgen – um damit zu produzieren, zu handeln bzw. diese zu konsumieren. Nur mit Geld erschließt sich für jeden die Warenwelt.
Der Markt ist der Ort, das heiß begehrte Geld zu erstehen – der „Markt“ ist keine Versorgungsanstalt, sondern Chance und Notwendigkeit, das zu erhalten, worauf es in der Marktwirtschaft ankommt: Geld.

Um es antiquiert auszudrücken: die Marktwirtschaft relativiert alles am Tauschwert. Gebrauchswerte gelten am Markt nur, insofern sie als Tauschwerte taugen.
Der Tauschwert ergibt sich weder aus der Nützlichkeit noch aus dem Bedarf eines Gutes. Dazu folgende Überlegungen:
1. Wenn man den Preis eines Laibes Brot mit dem eines goldenen Schuhlöffels vergleicht, so widerlegt dies die Behauptung „je nützlicher, umso teurer“.
2. Auch derjenige, für den der goldene Schuhlöffel nutzlos ist, müsste für diesen den gleichen Preis zahlen wie ein Liebhaber solch eines Gutes.
3. Angebot und Nachfrage erklären auch nicht die Preishöhe: Wenn man Angebots- und Nachfragezahlen bezüglich besserer Fernsehgeräte und Mittelklasse – PKWs vergleicht, so sind diese etwa gleich groß – der Preis weist aber einen großen Unterschied auf. Angebot und Nachfrage erklären die Schwankungen eines bestimmten Preises, aber nicht die Höhe, um die der Preis schwankt.
Der Tauschwert konstituiert sich aus der Arbeitszeit, die in einem Gut enthalten ist, und zwar gesellschaftlich (durchschnittlich) notwendige Arbeitszeit. In der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre erscheint diese als durchschnittlicher Marktpreis (bzw. Durchschnittskosten plus Durchschnittsgewinn).
(An der Wertpapierbörse hat sich die Preisbestimmung allerdings von dieser Grundlage ziemlich weit emanzipiert. Um das Geld geht es da auch, ja nirgendwo so pur und ohne Umweg über Gebrauchswerte. Weitere Ausnahmen sind der Immobilien- und der Kunstmarkt, auf denen die Preishöhe sich nicht an der Arbeitszeit relativiert.)

Es wird nur das auf den Markt geworfen, was Geld verspricht, und das ist nicht mit dem Gesichtspunkt zu verwechseln, die Leute lückenlos mit nützlichen Gütern und Leistungen zu versorgen.
Dies ist auch alles andere als effizient: So manches wird produziert und geleistet, was sich nachträglich auf dem Markt als „wertlos“ herausstellt. Nicht etwa aufgrund von Qualitätsmängeln. Alleine die Tatsache, dass sich etwas nicht gegen entsprechendes Geld tauscht, macht es wertlos (z.B. Lebensmittel, die am Markt unter dem Selbstkostenpreis verkauft werden müssten – vielfach werden solche Gebrauchsgegenstände lieber vernichtet als verschenkt).


1 Antwort auf “1 Privateigentum und Geld”


  1. 1 Inhaltsverzeichnis « Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft statt Kapitalismus Pingback am 15. Dezember 2008 um 10:42 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.