EINFÜHRENDER LEITFADEN – – – – – – – – – – – – – – – – Teil 1: Kritik der Marktwirtschaft

Der Gegenentwurf zur Marktwirtschaft setzt eine Kritik dieser Ökonomie voraus. Diese wird in den ersten Abschnitten des Buches ausgeführt. Thesenartig werden die Ökonomie der Marktwirtschaft (früher auch als Kapitalismus bezeichnet), deren Wirkung auf Lebensbereiche und der Umgang der staatlichen Politik mit diesen Wirkungen dargestellt.

Im ersten Kapitel „Die Notwendigkeiten einer unnötigen Ökonomie“ wird die ökonomische Basis dieser Gesellschaft beleuchtet. Diejenigen, die tagtäglich damit umzugehen haben, beziehen sich meist positiv darauf, weil sie auf Gedeih und Verderb darauf verwiesen sind. Markt, Privateigentum, Geld, Konkurrenz erscheinen als „natürlich“ (- „es geht gar nicht anders“), gottgegeben, vernünftig oder notwendig. Notwendig ist die Marktwirtschaft tatsächlich vom Standpunkt des Kaufs und Verkaufs von Eigentum und der damit verbundenen Vermehrung von Reichtum. Unnötig und kontraproduktiv ist diese allerdings dann, wenn eine Wirtschaft vom Standpunkt begutachtet wird, all ihren Mitgliedern einen gesicherten und (bedürfnis)befriedigenden Lebensunterhalt zu ermöglichen. Ist dies überhaupt Sinn und Zweck der Marktwirtschaft? Die Antwort lautet: nein. Es werden zwar massenhaft Gebrauchgüter produziert, diese liegen allerdings als privateigentümliche Waren vor, welche nur mit entsprechender Zahlungsfähigkeit angeeignet werden können. Nur mit Geld kommt man an die Waren heran, die jeder für seinen Konsum braucht: Geld öffnet und – bei nur spärlicher Menge – verschließt den Zugang zum Warenangebot. An das Geld kommt der Großteil der Menschheit nur durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft ran. Der Lebensunterhalt der Massen ist einerseits Geschäft fürs Kapital (als verkauftes Konsumgut) andrerseits aber auch Kostenfaktor als Lohn. Diese Ansprüche des Kapitals wirken sich durchwegs schädlich für die Arbeitskräfte aus.
Konkurrenz und Spekulation treiben die Marktwirtschaft voran – mal in eine Krise, mal in einen Boom. Keiner, auch nicht die oft befragten Wirtschaftsfachleute, weiß so recht, wie sich „die Wirtschaft“ entwickelt.

Die Wirkungen, welche die Marktwirtschaft bei vielen Mitwirkenden zeitigt, machen das „Elend der Marktwirtschaft“ aus. Nicht nur in der Dritten Welt, auch in den Metropolen der Marktwirtschaft gibt es nach wie vor Armut – und das nicht zu knapp. Nur Schönfärberei und Vergleiche mit mieseren Zeiten oder ärmlicheren Landstrichen können diese kaschieren und retuschieren.
Die Arbeit und der Arbeitsplatz werden in der Marktwirtschaft oftmals beargwöhnt – und das kommt nicht von ungefähr. Arbeitsentgelt, Arbeitszeit, Arbeitsinhalte und Arbeitsbedingungen sind oft keineswegs dazu angetan, die Arbeit als befriedigend oder angenehm zu empfinden.
Darunter leidet dann u.a. auch die Gesundheit, deren Erhaltung in der Marktwirtschaft ein „Kostenproblem“ ist. Besonders „unangenehm“ fallen dabei in dieser Gesellschaft Arbeitslose, Kranke und ältere Personen auf, die den Sozialstaat „belasten“, weil sie nichts (mehr) „erwirtschaften“.
Und mittlerweile ist auch die „Umwelt“ zu einem Problem geworden. Die Unterwerfung der Natur unter marktwirtschaftliche Kriterien führt zu Schäden, die kurzfristig entstehen und nur langfristig, wenn überhaupt, zu beseitigen sind.
Dies gilt auch für die Schäden durch Kriege, die unter dem Titel Freiheit und Demokratie geführt werden und Störungen des marktwirtschaftlichen Zugriffs auf gewisse Regionen bereinigen sollen.

Ist nun von der Politik des demokratischen bürgerlichen Staats eine Behebung dieser Zustände zu erwarten? Wie sieht der „staatliche Umgang mit der Marktwirtschaft und deren Elend“ aus?
Diesbezüglich wäre zu klären, um Missverständnisse zu vermeiden und diese Fragen zu beantworten, wer der Staat ist und worin die Grundprinzipien seiner Politik bestehen. Könnte sich womöglich aufgrund dieser Klärung ergeben, dass die Menschenfreundlichkeit dieser Politik sich in sehr eng abgesteckten Grenzen hält? Auch wenn die dafür Zuständigen ständig beteuern, das Beste für ihre WählerInnen erreichen zu wollen – welche WählerInnen meinen sie und wie gut ist das Beste für wen? Allen könne man es gar nicht recht machen, beteuern die Politiker – da haben sie recht, denn dies ist auch nicht gut möglich in einer Gesellschaft, die auf Interessengegensätzen beruht.
Was können also unzufriedene und kritische Menschen erreichen und erwarten, wenn sie ihre Sorgen und Befürchtungen dem Staat, seiner Regierung und seinen Beamten kundtun? Die Politiker werden vielleicht Verständnis zeigen – ob und wie dann etwas „getan“ wird, hängt von bestimmten „Bedingungen“ ab und ist mit Vorbehalten versehen. Die Grundprinzipien des bürgerlichen Staates werden dabei jedenfalls nicht verlassen – da kann mal für den einen mehr und für viele weniger herausschauen. Nichts für ungut, aber ein Recht wird man beim demokratischen Staat wohl vergeblich einklagen können: das Recht auf ein sicheres, angenehmes und materiell sorgenfreies Leben.


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